3 meiner absoluten Lieblingssachbücher

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„Das Hitler-Syndrom“, „Der Schwarze Schwan“ und „Wie man mit Fundamentalisten diskutiert ohne den Verstand zu verlieren“

 
Vor drei Monaten habe ich „drei meiner absoluten Lieblingsromane“ vorgestellt und viel Rückmeldung zu meiner Auswahl erhalten.

Heute will ich das gleiche mit Sachbüchern tun.

Ich durchforste also meine Leseliste ein weiteres Mal.

Und was finde ich?

Viele Romane, ein paar Dramen, eine große Anzahl an Biografien aber nur wenige Sachbücher.

Viel weniger als ich es im Gefühl hatte.

Dennoch sind da ein paar Leckerbissen dabei, die ich dir nun näherbringen will …
 

1. „Das Hitler-Syndrom“ von Eric Frey

 
Dieses Buch drückte mir damals, als ich noch fast gar nichts las, einer meiner besten Freunde in die Hand und meinte, ich würde es sicherlich auch verschlingen.

Eric Frey ist ein österreichischer Publizist und Politologe, der vor allem für seine Arbeit als Redakteur bei der Wiener Tageszeitung „Der Standard“ bekannt ist, aber auch schon einige Monografien veröffentlicht hat.

„Das Hitler Syndrom“ hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel (erschienen 2005), ist meiner Meinung nach aber durch die von Frey darin aufgestellte Hypothese nach wie vor interessant und lesenswert.

Frey beschäftigt sich in seinem Buch mit richtiger Konfliktbehandlung in der Weltpolitik. Jede Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehreren Staaten gehorcht ihren eigenen Gesetzen, aus der Geschichte lernt man nicht immer das richtige Vorgehen.

Während sich die betroffenen Nationen laut Frey viel zu schnell in den ersten Weltkrieg stürzten und es so zur vier Jahre dauernden Katastrophe kam, dachte man am Anfang des Zweiten Weltkrieges aus diesem Fehler gelernt zu haben und viele Staaten (allen voran Amerika und Großbritannien) sahen so ertmals zu, bevor sie zu Taten schritten. Zu lange allerdings. Und die nächste Katastrophe war da …

Frey schließt daraus und aus einigen anderen Beispielen, dass es gilt, stets genau auf die politischen, ideologischen und wirtschaftlichen Umstände eines Landes zu achten, wenn man die Entscheidung zwischen Aggressions- oder Appeasement- Politik fällen will. (Appeasement leitet sich vom englischen „to appease“ = „beschwichtigen“ ab und steht für das Entgegenkommen, für Zurückhaltung und Vermeidung von Konflikten in der Politik.)

Das Buch lehrt wann und warum eine Aggressionspolitik in manchen Momenten sinnvoller ist, als eine der Zugeständnisse, aber auch anders herum, wann eher Vorsicht und Zurückhaltung anstatt militärische Aktion geboten ist.

Alles in allem ein tolles Sachbuch, leicht verständlich und mit treffenden Bildern.

Am meisten gefielen mir die kurzen Zusammenfassungen der wichtigsten Konflikte und Kriege des 20. und 21. Jahrhunderts (Weltkriege, Israel, Afghanistan, Irak, …), die mir deutlicher machten, worum es im Kern dieser Auseinandersetzungen genau ging.

Darüber hinaus faszinierte mich das umfangreiche Wissen des Autors über innen- und außenpolitische Zusammenhänge und über die Folgen und Resultate der politischen Entscheidungen.

Natürlich bleibt das ganze eine schwarz-weiße Schablone. Aber auch solche können dabei helfen, dem Verständnis der grauen Wirklichkeit näherzukommen.

Mein Freund hatte recht, ich verschlang das Buch in zwei Tagen.

Danach drückte er mir das nächste in die Hand;

Max Frischs Drama „Biedermann und die Brandstifter“ auf das in „Hitler-Syndrom“ als perfektes literarisches Beispiel für das „Appeasement Syndrom“ Bezug genommen wird.

Ich las es innerhalb weniger Stunden aus und war auch davon begeistert …
 

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2. „Der Schwarze Schwan“ von Nassim Taleb

 
Der Wall-Street Dissident Taleb widmet sich in diesem Buch dem Phänomen des „Schwarzen Schwans“. Bis ins 17. Jahrhundert hinein waren schwarze Schwäne unbekannt. Erst mit der Entdeckung Australiens erfuhren wir Europäer, dass es auch solche gibt.

Taleb verwendet den Begriff des schwarzen Schwans als Bild für höchst seltene und sehr unwahrscheinliche Ereignisse in unserer Welt und deren oft extreme Folgen.

Solche schwarzen Schwäne sind für Taleb zum Beispiel 9/11, die Finanzkrise oder der Erfolg des Internets sowie von Google.

Taleb schreibt hier seine persönliche Lebensphilosophie nieder, die da lautet, dass man in unserem 21. Jahrhundert wichtige Dinge, die oft als planbar dargestellt werden, einfach nicht mehr planen kann und man unterscheiden soll zwischen Feldern, in denen abwägen und vernünftiges Denken hilft und Feldern, in welchen dies einfach sinnlos ist.

Talebs Stil ist fesselnd. Er gibt viel von sich selbst Preis, zum Beispiel wie er einst als Finanz-Mathematiker, die Aufgabe hatte, Geld zu vermehren, und dabei nur durch einen glücklichen Umstand ein Vermögen verdiente, wodurch er sich – unter anderem – im Anschluss dem Schreiben und der Lektüre von Klassikern widmen konnte.

Er fährt dann fort, seine bereits früh geborene Idee, dass die Welt nicht mehr so vorherstimmbar sei, wie sie einst in gewissen Bereichen war, auszuarbeiten. Er gibt Einblicke in verschiedene soziologische und psychologische Studien und verwendet diese, um seine Hypothese zu stützen.

Besonders gut in Erinnerung blieb mir das Phänomen der „narrative fallacy“, wonach vor allem Journalisten aber im Prinzip alle Menschen dazu neigen, Geschichten zu erfinden, um sich Ereignisse besser erklären zu können. Auch für die unerklärlichsten Dinge, die eigentlich reinem Zufalle entspringen, suchen wir Geschichten im „Ursache-Folge-Schema“, denn erst dann können wir sie wirklich gut in unserem Gehirn verarbeiten und aus ihnen lernen. – Doch dies verzerrt die Tatsachen und wir lernen das Falsche, wo wir eigentlich einfach gar nichts lernen sollten!

Sehr spannend sind auch die Exkursionen zu wichtigen Denkern der Vergangenheit (Russell, Malebranche, Gauss, …), durch welche man mehr über diese Personen erfährt.

Die Belesenheit von Taleb und der flotte Erzählton, in dem Taleb seine eigenen und die Gedanken anderer darstellte, hat mir sehr imponiert.

Das Buch ist Autobiografie, Philosophie-Ausflug, Sozialwissenschaft sowie Abrechnung mit der Wall Street und dem Pseudo-Expertentum in einem. Es enthält Überraschungen – wie die Anlagestrategie von Taleb – und liest sich einfach prächtig.

(Vor allem im Vergleich zu Kahnemanns „Schnelles Denken, langsames Denken“, das seit längerem von den Sachbuch-Bestseller-Listen lächelt und in dem ich aber – trotz sehr spannender Erkenntnisse und Überschneidungen mit dem „Schwarzen Schwan“ – so ganz und gar nicht vorankomme. Kahnemann sagt übrigens, er wäre von Talebs „Schwarzen Schwan“ beeinflusst worden und … okay, ich werde schon wieder zu lang … Klammer zu …)
 

3. „Wie man mit Fundamentalisten disktutiert ohne den Verstand zu verlien“ von Hubert Schleichert

 
Ein österreichischer Philosophie-Professor schreibt über das Argumentieren und seine Tücken.

Keine leichte Lektüre aber eine aufschlussreiche.

Während im ersten Teil noch überblicksmäßig in verschiedene Argumentationsmuster eingeführt wird, was eher trocken ist und nicht unbedingt zum Weiterlesen anregt, wird das Buch danach erst so richtig interessant.

Schleichert wird konkreter und verwendet den christlichen Fundamentalismus als Schauplatz für sinnvolles und weniger sinnvolles Argumentieren um schließlich zum subversiven Argumentieren zu kommen, also zu jenem Punkt, an dem sich keine gemeinsamen Fundamente mehr finden in einer Diskussion, wodurch Argumentationen im herkömmlichen Sinne unmöglich werden.

Dennoch darf hier nicht einfach gestoppt werden, sondern es müssen sich Techniken (kritische Distanz, Überzeichnung, …) finden, welche noch nicht ganz „verlorene“ Fundamentalisten oder zukünftige dieses Stammes hellhörig werden lassen können. Voltaire war ein Meister dieses Faches, und auf diesen beruft er sich auch immer wieder.

Schleichert bringt eine Menge interessanter Beispiele für seine Thesen aus der Kirchengeschichte, schreibt humorvoll und keck.

Sicher ein Buch, dass man auch noch ein zweites Mal lesen muss, um alles verstanden zu haben.

Dem reißerischen Titel wird Schleichert allerdings nicht gerecht. Man kennt sich nach der Lektüre zwar um einiges besser aus in der Materie – wenn man achtsam gelesen hat und über gute Reflexionsfähigkeit verfügt – einen Werkzeugkasten oder ein sofort anwendbares Instrumentarium wenn es Schlag auf Schlag geht, hat man aber dennoch nicht parat.

Da hilft am Ende wohl nur die Übung in der Praxis.
 
 
 
Kennst du diese drei Sachbücher? Was ist deine Meinung zu ihnen? Welches spricht dich am meisten an? Hast du auch eine persönliche Sachbuch-Top-3?

Schreib mir deinen Gedanken oder Erfahrungen zum Thema in die Kommentare.
 
 
 
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Vielen Dank!
 
Frey, Taleb und Schleichert
Foto: Aziz Acharki
 
Blogartikel veröffentlicht am 25.1.2018
 
 
 
Das Hitler-Syndrom: Über den Umgang mit dem Bösen in der Weltpolitik (*)
 

 
 
Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse (*)
 

 
 
Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren: oder Anleitung zum subversiven Denken (*)
 

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