5 Romane von Hermann Hesse

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Werke eines Genies die Millionen bewegen …

 
Der kurze Ausflug zu Hesses Gedicht „Stufen“ von letzter Woche hat mir Lust gemacht, noch ein wenig mehr von diesem großen deutschen Schriftsteller zu erzählen.

Was die Auflagen betrifft (mehr als 150 Millionen Bücher!), gehört er sogar zum Kreis der Allergrößten, die jemals ihre Worte auf die Welt losließen.

Für mich war er derjenige, der mich nach 17 Lebensjahren aus dem arrogant-ignoranten Leseverweigerungs-Schlummer erweckt hat, indem er mir zeigte, welch ergreifende Wirkung das geschriebene Wort für mich haben kann. (Mehr zu diesem Erlebnis findest du im Gedankennomaden-Guide.)

Es waren kleine Büchlein mit Hesses Kurzgeschichten und Gedichten, die dieses Resultat erzielten.

Doch ich wollte mehr von ihm und begann mit den Romanen „Siddharta“ und „Steppenwolf“.

Drei weitere seiner wichtigsten Romane kamen im Laufe der Jahre hinzu.

Diese fünf Bücher möchte ich euch heute zuerst näherbringen, um danach auch noch auf Hesse selbst näher einzugehen.
 

1. “Unterm Rad“

 
Fangen wir langsam an und steigern uns zum Höhepunkt hin …

„Unterm Rad“ ist jener Roman Hesses, den ich von den fünf am wenigsten schätze.

Der junge Hans wird vom Vater zu schulischen Höchstleistungen angespornt und kommt schließlich ins Seminar, wo er mit anderen begabten Jugendlichen wetteifert. Dort lernt er Hermann Heilner (Hermann Hesses Alter Ego?) kennen, der sich gegen die Lehrer und den Konformismus im Internat auflehnt und Hans die schönen Seiten des Lebens näherbringt. Hans Leistungen werden schlechter, er fällt – so wie Heilner – bei den Lehrern in Ungnade, erleidet einen Nervenzusammenbruch und verlässt das Seminar schließlich, um niemals wiederzukehren. Gebrochen kommt er nachhause zurück. Er verliebt sich, schafft es aber nicht, der Geliebten näher zu kommen, obwohl diese nicht abgeneigt ist. Er spielt mit Selbstmordgedanken, findet dann aber neuen Mut in der Mechanikerlehre, die ihm sein Vater ans Herz gelegt hat. Am Ende seiner ersten Arbeitswoche betrinkt er sich mit seinen Kollegen. Tags darauf wird Hans Leiche im Fluss gefunden … Ein Unfall? Suizid? Die Wahrheit kommt nicht ans Licht …

So viel zum Inhalt.

Gefallen hat mir vor allem die Freundschaft zwischen Hans und Hermann und da ganz besonders, wie eine Verbindung zwischen zwei so ungleichen Menschen entstehen und halten kann. Dass Hermann dann Mitte des Buches einfach aus der Erzählung verschwindet und nicht mehr auftaucht, fand ich sehr schade. Denn ab hier nimmt die Qualität der Geschichte ab.

Die dunkle, gebrochene Phase Hans‘ nach der Heimkehr ist zwar noch spannend, die Episode, in der er sich erstmals verliebt, fand ich dann aber zu schmalzig und übertrieben.

Das Ende ist überraschend und hatte ich so nicht kommen sehen. Und natürlich ist es traurig.

Was mir in diesem Roman besonders stark auffiel, ist, wie Hesse stets die Handlung an die Naturbeschreibungen anpasst und umgekehrt. Ein Stilmittel, das Hesse meisterhaft beherrscht. Dennoch war es mir ab und an etwas lästig im fortgeschrittenen Stadium der Lektüre.

„Unterm Rad“ ist sicher kein schlechter Roman aber für mich – wie bereits erwähnt – der am wenigsten lesenswerte unter den Fünfen, die ich bis heute kenne.

Er ist wohl auch mehr ein Jugendbuch, wie es mir scheint. Also mehr ein Buch für Heranwachsende, weniger interessant für Erwachsene.
 

2. “Demian“

 
In „Demian“ erzählt der Protagonist Emil Sinclair von seiner Kindheit, seiner Jugend und schließlich seinem Erwachsen-Werden. Demian ist der Name seines Freundes, Begleiters und Mentors, der an mehreren Stationen seiner Entwicklung eine wichtige Rolle spielen wird. Emil Sinclar beschreibt den mühevollen Weg zu sich selbst. Dazu gehört die Suche nach einem geistigen Führer, die Macht der Träume und die Kraft des Unterbewussten. Die Geschichte endet im Ersten Weltkrieg. Sinclair findet sich verletzt im Lazarett wieder, wo er Demian zum letzten Mal begegnet.

In Erinnerung geblieben ist mir vor allem die Gottheit Abraxas, die als Motiv in einem Teil der Erzählungen Sinclairs vorkommt. Eine geheimnisvolle Gottheit mit Hahnenkopf und Schlangenfüßen, auf die Sinclair stößt. Abraxas ist ein aus verschiedenen Texten unterschiedlicher Kulturen entstandenes Zwitterwesen. Hesse interpretierte es als Gottheit, die gleichzeitig für das Gute und das Böse steht, ohne eine der beiden Seiten als besser oder richtiger zu werten. Abraxas ist ein Symbol, das – zumindest im Buch – auf das Böse als das Auch-Gegebene verweist. Abraxas nimmt Emil Sinclair dadurch den Respekt vor dieser dunklen Seite des Lebens, welche in der bürgerlichen Gesellschaft verschwiegen und geleugnet wird, obwohl sie stets präsent und Teil der Wirklichkeit ist.

Irritiert war ich, dass der Ausbruch des Ersten Weltkrieges als euphorisch erwarteter und positiver Wendepunkt dargestellt wurde. Diese Sichtweise von Hesse, dem großen apolitischen Pazifisten? Meine Recherche ergab schließlich, dass Hesse dem Krieg anfangs zwiegespalten gegenüberstand. Er war natürlich im Grunde gegen ein sinnloses Blutvergießen. Gleichzeitig sah er im Kriege aber auch die Möglichkeit der Erneuerung einer tief zerrissenen und verdorbenen Gesellschaft.

Weniger anfangen konnte ich mit der platonischen Liebe zwischen Sinclair und Demians Mutter sowie dem Traumbild, das Sinclair malt und ihn nach langem Grübeln an Demian erinnert. Das kam mir alles sehr gekünstelt vor.

Insgesamt ist „Demian“ aber sicher ein nach wie vor lesenswertes Buch, meiner Meinung nach besser als „Unterm Rad“ aber noch weit weg von den drei weiteren Romanen Hesses, die nun folgen …
 

3. “Narziß und Goldmund“

 
Auf Platz drei meiner Bestenliste steht „Narziß und Goldmund“.

Goldmund wird als junger Knabe von seinem Vater ins Kloster gebracht. Der talentierte Novize Narziß nimmt sich seiner an. In einem Gespräch schafft es Narziß, dass sich Goldmund an das Bild seiner Mutter erinnert, das er bis dahin verdrängt hatte. Sie war eine freiheitsliebende Frau und Narziß hatte von Anfang an gespürt, dass auch Goldmund diesen Charakterzug in sich trägt. Goldmund verlässt schließlich das Kloster, beginnt ein Leben als Landstreicher und Verführer und wird später zu einem bildenden Künstler. Sein restliches Leben pendelt zwischen Wanderschaft, Frauengeschichten und künstlerischer Produktion. Am Ende seiner Tage kommt er todkrank ins Kloster zurück. Er stirbt im Beisein Narziß‘ am Krankenbett.

Interessant ist, dass sowohl in „Unterm Rad“ als auch im „Demian“ und schließlich hier in „Narziß und Goldmund“ eine Männer-Freundschaft mehr oder weniger im Mittelpunkt steht. Es ist allerdings in keinem der Fälle eine ausgeglichene, symmetrische Freundschaft. Nein, die beiden Männer (oder besser Jungen) stehen sich jeweils wie Hilfsbedürftiger und Mentor gegenüber.

In diesem Buch gefiel mir vor allem die Gegenüberstellung Künstler (Goldmund) – Geistlicher (Narziß) mit all den daraus entstehenden Konflikten, die aber trotzdem eine tiefgehende Freundschaft zwischen den beiden Extremen zulassen.

Der letzte Teil des Buches, in dem Goldmund und Narziß wieder zusammenkommen, ist mir am besten in Erinnerung geblieben.

Auch der finale Satz der Erzählung hat sich eingebrannt. Ein wirklich gelungenes Ende, das einen noch lange nachsinnen lässt. Warum? – Das findest du am besten selber raus. 😉

Das Werk weckte außerdem diese alte Sehnsucht in mir, selbst einmal allein durch die weite Welt zu streifen und auf Abenteuer-Jagd zu gehen, dort zu bleiben, wo es einem gefällt, und sich immer nur mit den Menschen zu umgeben, die einem gerade angenehm sind.
 

4. “Siddharta“

 
Der Inhalt in ein paar Worten:

Siddharta ist auf der Suche nach Erleuchtung. Er versucht sich in Askese – trifft den bereits erleuchteten Buddha doch kann dessen Lehre nicht annehmen – lernt die Liebe und das Weltliche kennen und verliert sich fast vollkommen in dieser Sphäre – wähnt sich zu ertränken – kommt wieder zurück auf seinen Weg – erlangt schließlich die Erleuchtung durch die Hilfe des Fährmannes und trifft am Ende seinen Jugendfreund Govinda wieder, der nach wie vor auf der Suche ist.

„Siddharta“ war mein erster Roman von Hesse. Mittlerweile habe ich ihn dreimal gelesen und war jedesmal von ihm begeistert.

Die Geschichte von Siddharta berührt, denn sie fließt in ihren dunklen wie in ihren hellen Teilen still dahin und man spürt die Erhabenheit, welche in der Gesamtheit des Textes liegt.

Natürlich bin ich auch ein Fan der zentralen Botschaft: Der Weg zur Erleuchtung ist lange, steinig und vielseitig, beinhaltet alle Facetten des Lebens und ist etwas zutiefst Individuelles.
So meint Siddharta, dass er viele Lehren als die richtigen akzeptiere, aber nur eine einzige als die für ihn richtige. Woraus sich auch erklären lässt, dass er sich am Ende der Erzählung dagegen wehrt, einem Suchenden auf dessen Drängen hin den Weg zur Erleuchtung zu zeigen.

Auch der Fluss in dem Siddharta letztlich die Erlösung findet, rauscht nach wie vor in meiner Erinnerung nach.

„Siddharta“ ist und bleibt für mich ein magisches Buch, das jeder lesen sollte, der auf der Suche ist und wieder etwas Ruhe in seinem Leben finden möchte.
 

5. “Der Steppenwolf“

 
Der Steppenwolf ist eine lebensmüde Kreatur, die an ihrer zerrissenen Persönlichkeit leidet. Hier die bürgerliche Angepasstheit, dort die einsame steppenwölfische und menschenverachtende Seite. Fast schon emotionslos streift er durch die Welt und will seinem Leben bald ein Ende setzen. Doch er erfährt schließlich Läuterung in einem ungewöhnlichen Lernprozess.

„Der Steppenwolf“ ist für mich DER Roman Hesses.

Die Zerrissenheit des Protagonisten ist extrem gut nachvollziehbar. Oft kam mir die Gänsehaut bei der Beschreibung des Steppenwolfes, erkenne ich mich doch in gewisser Weise ein wenig selber in ihm. Auch ich kann oft in Sekundenschnelle vom puren Genuss der Kunst oder des Lebens in jene Wahrnehmung der Sinnlosigkeit des Daseins fallen, in der mir alles nur noch schal und bedeutungslos vorkommt.

Besonders gut gefällt mir das sogenannte „magische Theater“ am Ende, wo die bis dahin doch sehr realistische Story auf einmal abhebt und richtig verrückt und bunt wird.

Auch den Schluss mochte ich gern, da er in gewisser Weise dazu aufruft, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen, er den Humor als Erlöser preist, und den Denkernaturen rät, die Genusswelt ebenso kennen zu lernen wie jene des Geistes.
 

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Wer war dieser Hesse genau?

 
Biografien über den Herren gibt es Dutzende.

Seine Eltern waren evangelische Missionare (unter anderem in Indien). Ihr Sohn sollte Geistlicher werden. Sie steckten ihn ins Internat, Hesse rebellierte, denn er wollte „entweder Dichter oder gar nichts werden“. Er verfiel mit 15 Jahren in Depressionen, versuchte sich umzubringen und landete in einer Anstalt für Schwachsinnige. Er brach mit den Eltern, begann später als Buchhändler zu arbeiten und veröffentlichte schon bald eigene Werke. Er wurde zum Krisen-geplagten Einzelgänger und Sonderling, der schrieb, reiste, sich nirgendwo lange zuhause fühlte und weder mit noch ohne den Frauen (er war dreimal verheiratet) konnte.

DAS war er, dieser Hesse. – Natürlich leicht verkürzt.
 

Was macht Hesse nun so besonders?

 
Für die Beantwortung dieser zweiten Frage muss man sich natürlich mehr Zeit und Platz nehmen.

Hermann Hesse wurde von der gehobenen Literaturkritik in den Feuilletons der großen Zeitungen nie geliebt.

Volker Michels, Hesses langjähriger Lektor und Editor, berichtet, dass Hesse für die deutsche Presse ein „etwas rückständiger Romancier und Innerlichkeitspoet aus dem 19. Jahrhundert, allenfalls ein besserer Jugendbuchautor, längst ad acta gelegt von den tonangebenden Meinungsmachern“ war. Die Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis wurde als „unverzeihlicher Fehlgriff und Irrtum“ abgetan, Hesses große Wiederentdeckung und Renaissance durch amerikanische Vietnamkriegsgegner und Wehrdienstverweigerer als „Schnapsidee drogensüchtiger Amerikaner“. Und Michels meint, dass die eigentlich natürliche Reaktion, sich, nach diesen deutlichen Zeichen der Werthaftigkeit Hesses Werks, seine Bücher noch einmal genauer anzusehen, für die Presse lästige Arbeit gewesen wäre, weshalb sie ihr Urteil über dieses nie änderte.

Reich-Ranicki tat ebenfalls sein Bestes um Hesses Bücher abzuwerten. Des Literaturpapsts Hausheiliger war Thomas Mann. Und je kleiner er Hesse machte, desto glanzvoller konnte Mann strahlen. Auch darüber berichtet Michels.

Vielleicht spielt aber auch noch ein anderer Grund dabei mit, dass viele der belesenen Feuilleton-Schreiber Hesse keinen Platz unter den ganz Großen zugestehen wollen;

Denn wenn es ein Schriftsteller schafft, Millionen von Menschen durch seine Worte tief zu berühren, wie tief können diese Worte dann sein?

Legt Hesse in seinen Büchern also gar nichts besonders Tiefgründiges oder Neues frei, was man bisher noch nicht kannte, sondern beleuchtet lediglich wiederholt Identitätskrisen und Entwicklungskonflikte an ihrer Oberfläche, so dass sich jede und jeder leicht darin wiederfinden kann?

Diese spezifisch an Hesses Werk gebundene Frage lautet in allgemeiner Form wie folgt:

Ist richtig große, meisterhaft-tiefe Kunst nur solche, die in ihrer Rezeption gemäßigt bleibt (wir nennen sie gerne „alternativ“) und NICHT die Massen begeistert?

Diese Frage möchte ich ein anderes Mal zu beantworten versuchen.

Klar ist für mich nur eins: Hesse trifft bei mir immer wieder auf einen freiliegenden Nerv.
 

Wie macht er das?

 
Vielleicht bin ich bei Hesse voreingenommen, da er der erste war, der mir den Wert der Worte und des Lesens offenbarte. Ich fühle mich jedes Mal, sobald ich seine unverkennbare Sprache höre, wieder in dieses erste Klar-Werden der potenziellen Bedeutung eines eindringlichen literarischen Textes zurückversetzt.

Fakt ist, dass ich bei Hesse stets das Gefühl habe, er sage mit wenigen Worten genau das, was Belang hat, kein bisschen mehr, kein bisschen weniger. Er trifft so viele Stimmungen von uns Menschen und Probleme, die das Leben stellt, ganz exakt, was nur wenige Schriftstellerinnen und Schriftsteller schaffen.

Hesse ist ein Meister darin, einerseits die schönen Seiten dieses Lebens perfekt zu beschreiben, so dass man nickend zustimmen muss und sich in diese Situationen hinein wünscht, der dann aber bereits kurz darauf wieder in die Beschreibung der Nichtigkeit unseres Daseins umschweift und auch diese völlig exakt einfängt.

Sein Stil ist schmuckreich und naturbetont aber dennoch nicht veraltet.

Hesses zentrale Themen – die Identitätskrise, die Suche nach Erleuchtung, die Heimatlosigkeit, die Sehnsucht nach geistiger Führung, die Betonung der Individualität et cetera – sind für mich durchwegs interessant und aufregend und so verzeihe ich es ihm, dass sie in seinen Romanen wiederholt (variiert wohlgemerkt) vorkommen.

Meine magischsten Hesse-Momente sind jene, wo er Gedanken, die ich selbst schon einmal verworren angedacht habe, so brillant ausformuliert, dass es mich gleich zweimal vom Hocker haut; Erstens weil es sich beruhigend und verstörend zugleich anfühlt, dass ein anderer über „meine“ (vermeintlich extrem persönlichen) Hirngespinste nachdenkt und zweitens weil er all das Vage, das durch meinen Kopf schwirrt, treffender formuliert, als ich es in Stunden des Wortfeilens aufs Papier kriegen würde.

Ist Hesse für mich ein Guru oder gar ein Gott, wozu er von so manchem großen Fan erhoben wurde? – Nein, ist er nicht. Er war ein Mensch aus Fleisch und Blut, nicht besser als andere. Mit vielen Problemen und Krisen, die ein Gott nicht haben würde. Geprägt von gescheiterten Beziehungen, die verraten, dass er auch vieles nicht auf die Reihe brachte. Doch er fühlte stärker als andere und konnte diese Gefühle besser ausformulieren als die meisten Menschen seiner Zeit. Und er hatte Liebe für seine Mitmenschen, für die Schwachen, für das Leben und für die Natur. Diese Qualitäten machen ihn geheimnisvoll und sympathisch. Nicht zuletzt aber auch menschlich.
 

Reichen fünf Romane von Hermann Hesse um ihn zu „kennen“?

 
Vieles gäbe es noch zu sagen zu Hesse.

Und vieles noch zu lesen.

Einen seiner bekanntesten Romane, sein großes Alterswerk „Das Glasperlenspiel“, kenne ich nach wie vor noch nicht. Ich schiebe seine Lektüre vor mir her, weil er quasi der letzte bedeutende Roman Hesses ist, den ich noch nicht angerührt habe. Ich denke, ich werde das noch länger so halten, um weiter das Gefühl zu haben, dass ich einen wichtigen Baustein im Hesse-Gesamtbild noch nicht kenne. Die Gewissheit, irgendwann einmal nichts Neues mehr von ihm lesen zu können, macht mich vorsichtig.

Fünf verschiedene Romane vom gleichen Schriftsteller …

Das habe ich nur bei Hesse geschafft.

Und sicherlich bist auch du noch nicht bei vielen Romanciers auf diese Zahl gekommen.

Dennoch bilden wir uns ein, uns nach ein oder zwei gelesenen Werken bereits ein profundes Urteil über die Arbeit deren Autorin oder deren Autor machen zu können.

Völliger Blödsinn meiner Meinung nach.

Die verschiedenen Werke einer Dichterin/eines Dichters können extrem unterschiedlich sein in Inhalt, Form, Sprache und Intention. Die Schöpfer der Texte entwickeln sich weiter, haben unterschiedlichste Themen, die sie in ihren Romanen unterbringen und versuchen, sich immer wieder neu zu erfinden.

Denjenigen, die dir nach einem oder zwei gelesenen Romanen bereits ein völlig klares und überzeugtes Urteil über das Gesamtwerk deren Urheber geben, würde ich mit Skepsis begegnen, denn sie kennen meistens nur eine Facette davon.

Wer nun Hesse noch ein wenig besser kennenlernen möchte, kann sich zum Beispiel diese 30-minütige Doku mit dem Namen „Hermann Hesse Superstar“ ansehen. Ein guter zweiter Eindruck nach dem ersten durch die gerade gemachte Lektüre …
 
 
 
Hast du bereits einen Roman Hesses gelesen? Wenn ja, welcher war es? Was hältst du von ihm? Und was hältst du von Hesse? Löst es Faszination oder Skepsis in dir aus, wenn ein Schriftsteller von Millionen von Menschen gelesen und verehrt wird? Hast auch du schon einmal die Erfahrung gemacht, dass dir ein Text völlig aus dem Herzen sprach? Dass du das Gefühl hattest, eine Passage gäbe deine eigenen Gedanken wieder oder handelt gar von dir? Wenn ja, welche Worte waren das und von wem waren sie?

Bitte hinterlasse deine Assoziationen, deine Anmerkungen oder deine Kritik in den Kommentaren.

Ich würde mich sehr darüber freuen!

Romane von Hermann Hesse
Foto: Jilbert Ebrahimi

Blogartikel veröffentlicht am 6.4.2017

Quellen: Schwilk, Heimo (2012): „Reich Ranicki hat Hermann Hesse marginalisiert“, in: https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article109379848/Reich-Ranicki-hat-Hermann-Hesse-marginalisiert.html [23.09.2012], zuletzt geprüft: 06.04.2017, 09:44.


Hermann Hesse bei der Lektüre (Foto: Gret Widmann)

6 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von johanna

    was immer noch kein kommentar zu dem hesse blog;;??typisch – was leicht lesbar ist, nachvollziehbar und vielen menschen aus dem herzen spricht ist keine wortspende wert. gleich wie in der bildenden Kunst, da wird auch am meisten diskutiert über weisse blätter mit klecks in der mitte.
    weiter so Philipp, bedank mich für den blog, hab mich an meine Jugendzeit erinnert….

    • von Gedankennomade

      Danke für das Lob Johanna. Wenn du dich an deine Jugendzeit erinnert hast, dann wird es ein Hesse-Roman wohl schaffen, dich dorthin zurückzukatapultieren, was sehr aufregend sein kann. Du solltest es versuchen. Und mir dann berichten.

  2. von Erich

    Siddhartha ist meine persönliche Bibel. Hab das Buch schon einige Male gelesen und hab mich immer wieder darin verloren. Dieses sich ständig ändernde Leben, bedingt durch den Drang sich selbst zu finden und inneren Frieden zu erlangen, verstehe ich sehr geht. Das Buch ist geschrieben als wäre ich selbst der Hauptdarsteller.

    Ich habe daraufhin einige Bücher von Hesse gelesen. Auch mit Narziß und Goldmund konnte ich viel anfangen. Doch Siddhartha ist für mich DAS Buch. Dass Millionen von Menschen sich für diese Inhalte interessieren heißt für mich, dass sehr viele Menschen auf der Suche sind, auf der Suche nach Orientierung, auf der Suche nach Antworten.

    • von Gedankennomade

      Lieber Erich,
      Ja, du beschreibst sehr gut, was am „Siddharta“ das Mitreißende ist. Auch ich finde mich in einigen Passagen dieses Buches wieder.
      Der „Steppenwolf“ hat dir nicht gefallen?
      Ja, das ist eine mögliche Erklärung dafür, weshalb Hesse so viele erreicht hat. Wobei – auf der Suche nach Orientierung und Antworten sind wohl sehr viele Autoren!?

      • von Erich

        Der „Steppenwolf“ hat mir auch gefallen, kommt aber an Narziß & Goldmund und vor allem an Siddhartha nicht vorbei in meinem persönlichen Ranking.

        Natürlich versuchen viele Autoren Orientierung zu geben. Ich denke es ist wie bei Lehrern. Der Lehrplan ist immer gleich, nur die Art und Weise, wie ein Lehrer diesen Inhalt dem Schüler vermittelt ist unterschiedlich. Hesse wäre wohl ein Lehrer, der mit seiner Art des Unterrichts sehr viele Schüler erreicht.

        • von Gedankennomade

          Ja, dem Hesse hätte ich wohl auch gerne zugehört als Schüler.
          Übrigens war er während des Ersten Weltkriegs in der Kriegsgefangenenfürsorge tätig, wo er Bücher für Kriegsgefangene sammelte und verschickte. Auch auf diese Weise versuchte er Orientierung zu geben für Menschen in Extremsituationen.

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