Einen Blogpost schreiben …

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Von der Idee zum fertigen Artikel

 
In letzter Zeit wurde ich von einigen treuen Leserinnen und Lesern gefragt, wie ich eigentlich meine Artikel schreibe.

Und da ich mich hier schon sehr viel über zwei der Hauptthemen (das Lesen und das Denken) ausgelassen, ich mich zum dritten (dem Schreiben) aber bisher eher zurückgehalten habe, werde ich nun das Entstehen meiner Blogposts ein wenig genauer beleuchten …
 

Die Ideen …

 
„Wie fällt dir das alles ein?“, lautet eine häufige Frage.

„Wieso ‚das alles‘?“, antworte ich dann.

Zu Beginn schrieb ich einen Artikel pro Woche, später wurde mein Rhythmus etwas unregelmäßiger. Doch auch während der höheren Anfangsproduktivität waren nicht die Ideen das Problem sondern die Zeit, sie in Blogposts zu verwandeln.

Ideen haben wir alle. Mehrere pro Tag. Vor allem dann, wenn man sich mit verschiedenen Dingen beschäftigt, gern nachdenkt und liest.

Wenn man sich dann hinsetzt und die ein oder andere Idee in einem Text dreht und wendet, sie von mehreren Seiten beleuchtet, ja dann kann man schnell einen Blog mit interessanten Artikeln füllen.
 

Am Anfang war die Liste …

 
Die Liste war von Hand geschrieben.

Auf kariertem Papier.

Mein Kopf war voll von Ideen, als ich den Blog in Angriff nahm. Und das A4-Blatt somit schnell beidseitig gefüllt.

Einiges davon habe ich in den letzten Monaten abgearbeitet.

Die meisten Artikel erblickten aber dennoch eher spontan als geplant das Tageslicht.
 

Dann kam die Muse …

 
Die besten Texte entstanden nicht dann, wenn es „wieder mal Zeit war, etwas zu schreiben“, sondern dann, wenn ich von der Muse geküsst wurde – sei es beim Auto-Fahren, in einem Gespräch oder beim Zähne-Putzen – , mich sodann, sobald es ging, hinsetzte und einfach drauf losschrieb über das, was mich gerade beschäftigte.

Die spontane Inspiration, die man nicht suchen sondern nur finden kann, ist also meist der erste Schritt im Schreibprozess.

Doch wie geht es dann weiter?
 

Die entscheidende Frage …

 
Wer sich öfter auf meinem Blog rumtreibt, der weiß, dass meine Auswahl sehr vielfältig ist. Mal geht es um Philosophie, mal um Literatur, mal um die Faszination des Lesens oder des Denkens, mal um Musik, mal um Alltagsbeobachtungen und manchmal um mein Leben.

Bevor ich also meine Inspiration in einen Text umwandle, frage ich mich Folgendes:

Kann ich das Thema schmackhaft aufbereiten, so dass auch andere einen Mehrwert darin finden werden? So dass es nicht nur mir persönlich hilft, einen Sachverhalt oder mich selber besser zu verstehen?

Ist die Antwort ein klares „Ja“, setze ich mich vor den Laptop und öffne ein Word-Dokument.
 

Das Schema …

 
Das Schema, das sich durch all meine Artikel zieht, ist ganz einfach:

Sie sollen sich einerseits um die Hauptthemen des Blogs drehen andererseits aber auch Persönliches enthalten.

Nur wenn ich diesen Mix perfekt hinbekomme, bin ich zufrieden mit dem, was ich produziere.

Warum?

Würde ich ganz sachlich und objektiv über ein Buch oder einen Gedanken schreiben, keine persönlichen Erfahrungen oder Anekdoten zum Thema einfließen lassen, so wäre das trocken und langweilig. Darüber hinaus hätte ich nichts Neues erschaffen, würde ich lediglich zusammenfassen, worum es in Aristoteles „Nikomachischer Ethik“ oder in Timmerbergs „Die rote Olivetti“ geht. All das kann man hundertfach im Internet finden.

Doch auch das andere Extrem, wär mir zu blöd; Ein bloßes Schwafeln über mich selbst und wie toll ich nicht bin, weil ich mich mit so viel verschiedenen Dingen auseinandersetze, solch ein unabhängiges Junggesellenleben führe und darüber hinaus auch noch Zeit habe, es anderen im Internet unter die Nase zu reiben.

Mein Schema, meine „Arbeitshypothese“, ist also ganz simpel:

Bekanntes/Allgemeines mit Persönlichem mischen und sehen, was daraus entsteht …

Der Gratis E-Mail-Guide

– 16 Gründe und 19 Schritte um zum Leser zu werden

– 8 Gründe und 12 Schritte um zum Denker zu werden

– 13 Gründe und 8 Schritte um zum Schreiber zu werden

Der Schreibprozess …

 
Ich persönlich bin – auch wenn andere Expertinnen und Experten davon abraten – immer schon ein Fan vom „Einfach-drauf-los-Schreiben“ gewesen.

Und für kürzere Texte – und das sind meine Blogposts ja – funktioniert es für mich auch.

Natürlich sieht das bei einem Roman anders aus. (Wobei ich mir vorstellen könnte, auch so einen einfach ohne Plan zu verfassen!)

Aber bei den Artikeln für den Gedankennomaden beginne ich ganz einfach damit, in die Tasten zu hämmern.

Ein paar Ideen sind ja stets bereits im Kopf, wenn man zum Schreiben beginnt. Denn das Thema ist schon bekannt zu diesem Zeitpunkt, einige Argumentationen bereits gedanklich vorgefertigt worden in der Phase der Inspiration und danach.

All dies ist also abtipp-bereit und so schreibe ich munter drauf los, ohne viel Gedanken darauf zu verwenden, ob die Formulierungen passen oder der Aufbau des Textes schlüssig ist.
 

Gedankenblitze …

 
Während dem Formulieren der Sätze entstehen weitere Ideen und Gedankenblitze.

Weil sie meist nicht in den gerade behandelten Absatz passen, hebe ich sie mir für später auf und verwerte sie dann.

GANZ WICHTIG: Sobald so ein Gedankenblitz aufleuchtet, notiere ich ihn in ein oder zwei Sätzen am Ende der Seite. Bin ich mit dem gerade Behandelten fertig, scrolle ich runter und schaue mir an, welches Thema ich als nächstes einbauen kann.
 

Beenden und liegen lassen …

 
So verarbeite ich also Idee für Idee, bis ich der Meinung bin, dass alles gesagt ist.

Und meistens habe ich dann auch wieder genug vom Schreiben;

Ich speichere das Dokument, ohne es zuvor noch einmal durchgelesen zu haben und lasse es ruhen.

Das Gleiche mache ich mit meinem Kadaver.
 

Die Redaktion …

 
Am nächsten Tag sehe ich mir das Ergebnis meines kreativen Prozesses genauer an.

Manchmal bin ich entzückt von dem, was ich finde, ein anderes Mal kommt mir das Speiben und ich frage mich, ob ich tatsächlich der Autor des Volksschultextes war, den ich vor mir habe.

Jetzt wird verändert, verschoben, umformuliert, gelöscht, hinzugefügt und formatiert.

So lange, bis ich zufrieden bin.

Ein letztes Mal von oben bis unten durchlesen und fertig ist das Ding.

– Immer wieder ein herrliches Glücksgefühl!
 

That’s it?

 
– Ja … mehr kann ich leider wirklich nicht über das Schreiben erzählen.

Zumindest nicht über das Schreiben dieser Blogposts.

Ich habe also kein Geheimnis, nur ein paar grobe Grundsätze, die ich automatisch und unbewusst anwende. (Okay, nicht GANZ unbewusst, sonst hätte ich diesen Artikel nicht schreiben können …)
 
 
 
Hat dir dieser Artikel weitergeholfen? Hast du Neues über das Schreiben erfahren? Was kommt dir einleuchtend, was eher seltsam vor? Verfasst du selbst auch ab und zu Texte zu bestimmten Ideen oder Gedanken? Was gefällt dir gut an meinem Format und was schlecht? Wie könnte ich meine Schreibe noch verbessern?

Würde mich sehr über jeden ehrlichen Input freuen.

Bis bald,

Philipp
 
Blogpost schreiben
 
Foto: Brad Neathery
 
Blogartikel veröffentlicht am 3.10.2017

2 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Manuela

    Hallo Philipp! Vielen lieben Dank für diesen Text. Total authentisch, inspirierend, locker und Mut machend für andere „Schreiber“, die sich oftmals stundenlang mit ihren inneren Kritikern und Antreibern in Punkto irgendwelchen „must’s“ rum schlagen und dabei Gefahr laufen ihre Kreativität verkümmern zu lassen! 🙂

    • von Gedankennomade

      Danke dir, Manuela.
      Ich denke, dass man durch Regeln immer Gefahr läuft, das Besondere am eigenen Stil zu verlieren.
      Obwohl ich jetzt doch schon ziemlich lang immer wieder ein bisschen schreibe, weiß ich eigentlich kaum was zur „richtigen Technik“ beim Schreiben.
      Interessieren würd’s mich aber dennoch, was so No-Go’s sind in der Schriftstellerzunft.
      Hmmm … Ich glaube ich habe gerade ein neues Thema gefunden.
      Vielen Dank! 🙂

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