Verbrennt eure Bücher …

Artikel lesen

… denn sie taugen nichts!

 
Manchmal geschieht es, dass mich nichts von dem, was mir normalerweise wertvoll, spannend und aufregend erscheint, berühren will.

Ich überfliege mein Bücherregal und keine einzige der verschiedensten Schriften spricht mich an.

Ich surfe im Internet und egal was ich lese, es langweilt mich.

Ich versuche im Studium ein Thema zu finden, das ich vertiefen könnte, doch eines ödet mich mehr an als das andere.

Ich möchte einen neuen Blogartikel schreiben und denke mir: Wofür tu ich das eigentlich?
 
 
 
Wahrscheinlich kennen die meisten von uns diese Tage, an denen man zu lasch ist für all die schönen Dinge, die einen normalerweise in den Bann ziehen.

An denen man auf der Couch liegen bleibt und in die Glotze starrt.

An denen man Ewigkeiten am Smartphone verliert, sich drei- oder viermal vornimmt, zur nächsten vollen Stunde etwas Produktives zu beginnen, am Ende des Tages aber noch immer keinen Finger gekrümmt hat und deprimiert sowie enttäuscht ins Bett geht.

Ich möchte jedoch weniger über diese Tage sprechen als über die für mich irritierende Tatsache, dass meine große Leidenschaft – das geschriebene Wort – von Zeit zu Zeit völlig nichtig und unbedeutend für mich wird.
 
 
 
Da verschlinge ich einen Roman in einem Zug von der ersten bis zur letzten Seite, bin begeistert von dem Werk und möchte noch mehr aus dieser bestimmten Epoche lesen.

Und ein paar Tage später kann ich mich nicht einmal dazu aufrappeln, ein Buch aufzuschlagen.

Die gebundenen Seiten, das Cover, die schwarzen Buchstaben, das cremefarbene Papier und der typische Buch-Duft ekeln mich an.

Ich bin mir sicher, dass die darin enthaltene Story, die bereits Millionen von Menschen bewegt haben soll, seicht und pseudo-intellektuell ist.

Der doppelte Boden, der sie auszeichnet, ist doch in Wahrheit nur ein hineingedeutetes Konstrukt der Kritikerinnen und Kritiker, die ihr sublimes Literaturverständnis zu unterstreichen versuchen.

Die erhabene Ausstrahlung, die ein Buch mit gelungenem Layout normalerweise besitzt, sehe und fühle ich nicht mehr.

Der Sinn, der in der Lektüre eines literarischen Werkes besteht, erschließt sich mir nicht mehr.

Die Zeit, die ich in die Seiten investieren müsste, scheint mir unnützer nicht zu vergeuden.

Jeder Satz geht mir auf den Nerv.

Jeden Gedanken find ich banal.

Und am liebsten würde ich all meine Bücher verbrennen um meiner Abneigung Ausdruck zu verleihen.
 
 
 
Was passiert mit mir?
 
 
 
Ist es Übersättigung?

– Ja, das kann gut sein.

Manchmal beschäftige ich mich zu viel mit der Philosophie und der Literatur.

Ich studiere Skripten für die Uni.

Ich lese parallel dazu schwere literarische Kost.

Ich versuche über das Internet halbwegs über das Weltgeschehen informiert zu bleiben.

Und plötzlich merke ich, wie ich Absätze überfliege aber nicht mehr aufnehmen kann, was in ihnen steht.

Wie jedes Wort anstrengt.

Wie mich jedes Wort überfordert.

Wie mich schließlich jedes Wort anekelt.

Und dann muss ich raus.

Raus aus dieser Welt der Worte.

Meist für Tage, manchmal sogar für Wochen …
 
 
 
Doch ist es nicht immer Übersättigung.

Manchmal ist es etwas Anderes …

Manchmal entspringt diese Abneigung nicht aus einem Übermaß an Beschäftigung mit Worten.

Manchmal ist sie ganz plötzlich da, auch wenn ich erholt bin und gerade wenig lese.

Sie überfällt mich ab und an vor vollgeräumten Bücherregalen oder in Buchhandlungen.

Eine Abneigung, die durch das Bewusstwerden der überbordenden Menge an Wissen und Kreativität, die ich gerade überblicke, entsteht.

„Ist es nicht einfach lächerlich zu denken, dass jede dieser beschriebenen Seiten etwas Wertvolles in sich birgt?“

„Ist es nicht naiv zu glauben, dass auch nur ein Bruchteil davon lesenswert ist?“

„Ist das alles hier nicht nur fauler Zauber?“

Ein Anblick, der mich normalerweise erhebt, wirkt dann auf einmal fremd und eitel.

Und von fremd und eitel kann er sich bis hin zu lächerlich steigern.
 
 
 
Ich weiß nicht, ob man nachvollziehen kann, was ich sagen will.

Ich finde die Worte nicht, um zu beschreiben, wie feindlich mir die Worte manchmal erscheinen.
 
 
 
Was dann wirkt?

Die Worte ruhen lassen.

Die Bücher ignorieren.

Die Studien unterbrechen.

Das Leben suchen, das Abenteuer finden.
 
 
 
Und irgendwann liegt da wieder ein Buch vor mir.

Und all das Magische, das es in mir auslösen kann, ist wieder da.

Keine Spur von Abneigung, Übersättigung und Eitelkeit.

Nur Abenteuer und Leben. Aber diesmal in den Worten …
 
 

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Verbrennt eure Bücher

Foto: Marko Horvat

Blogartikel veröffentlicht am 14.6.2017

8 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. Auch die größte Leidenschaft hat ihre Schattenseiten… Danke für deine Offenheit!

  2. von johanna

    lieber Philipp, nach dem lesen dieses Artikel habe ich folgende überlegeung : du steckst in einer sinnkrise oder du bist ein verwöhnter pinkel der nicht weiss was es bedeutet zugang zu jeglicher Literatur zu haben oder du brauchst einfach eine pause

    • von Gedankennomade

      Liebe Johanna,
      1) Ich stecke in keiner Sinnkrise. Ganz im Gegenteil, mein Leben ist toll …
      2) Ich gönne mir – wie im Artikel beschrieben – sowieso immer wieder einmal eine Pause …
      3) Ich bin sicherlich – wie fast jeder Mitteleuropäer – ein verwöhnter Pinkel. Und „Zugang zu jeglicher Literatur zu haben“ ist auf jeden Fall etwas, dass wir als nicht selbstverständlich schätzen sollten, gut, dass du daran erinnerst. Dennoch nehm ich sie – an manchen Tagen – nicht so wichtig. Auch wir selbst sind ja nicht so wichtig, wie wir denken. Darüber habe ich eh bereits bei den „3 Watschen“ geschrieben und ich kann mich erinnern, dass du mir durch und durch zugestimmt hattest.

  3. von Paul

    Hey Philipp, ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen. Geht mir immer mal wieder so mit dem Schreiben. Manchmal ist für mich wohl die Zeit, ganz im Leben abzutauchen, um später dann wieder darüber zu schreiben. Magst du im deinen Nichtleser-Phasen denn selbst schreiben?

    • von Gedankennomade

      Lieber Paul,
      Das freut mich, dass du meine Gedanken so gut verstehst.
      Mit dem Schreiben ist es natürlich genau so. Auch das ist manchmal verhasst.
      Wobei ich auch Nicht-Lese-Phasen kenne in denen ich dafür absolut gern schreibe.
      Es ist einfach total interessant, wie persönliche Stimmungen, Überforderung oder andere Einflüsse die Sicht auf unsere große Leidenschaften trüben und verändern können.
      Mehr wollte ich mit dem Ganzen eigentlich gar nicht sagen. – Ein paar Leserinnen und Leser fürchten nämlich jetzt schon eine Depression bei mir dank des letzten Eintrags …

  4. Eben in diesem Moment, beim Lesen dieser Zeilen finde ich wieder Lust mich nochmals vors Bücherregal zu stellen, damit mich ein Buch finden kann… vor gut 30 Minuten war kein Autor interessant- und kein Titel spannend genug…

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