„Warum Literatur lesen?“ – 7 Gründe

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Was ist Literatur und warum ist sie wichtig?

 
In diesem Post werde ich die Frage „Warum Literatur lesen?“ beantworten.

Als einer der zentralen Bloginhalte hat sich Freundin Literatur das verdient.

Doch zuerst muss geklärt werden, was Literatur überhaupt ist.
 

Was bedeutet „Literatur“?

 
Das dtv-Lexikon definiert Literatur so: „Gesamtheit der schriftlich niedergelegten Äußerungen, im engeren Sinn das gesamte schöngeistige Schrifttum.“

Da wir uns auf diesem Blog weder über Telefonbücher noch über die Packungsbeilagen der Anti-Baby-Pille unterhalten wollen, konzentrieren wir uns auf die Literatur im engeren Sinne.

Der engere Begriff der Literatur fasst seit dem 19.Jahrhundert alle künstlerischen mündlichen oder schriftlichen Werke zusammen.

Mündliche oder schriftliche künstlerische Werke gibt es viele und somit ist verständlich, dass die Literatur wahnsinnig viel beinhaltet.

Wir grenzen sie daher gern in Gebiete ein, indem wir zum Beispiel von der Deutschen oder der Angloamerikanischen Literatur sprechen. Wir kennen ebenso die Frauenliteratur, die Kinderliteratur, die Jugendliteratur, die Kriegsliteratur, die Großstadtliteratur, die Literatur der Shoah und viele viele mehr.

Die Möglichkeiten verschiedene literarische Werke unter eine bestimmte Literatur zusammenzufassen sind unzählig und die Ein- und Abgrenzungen beliebig.
 

Literatur im engeren Sinn ist also „künstlerisch“ und „schöngeistig“ …

 
Literatur im engeren Sinne ist also „etwas Besonderes“. Sie beinhaltet sprachliche Werke, die als Kunstwerke angesehen werden. Sprachliche Werke, die mehr sind, als bloßer Informationsaustausch mit praktischem Nutzen.

So sind wir aber auch schon beim großen Problem der Literatur angelangt:

Was bedeutet „künstlerisch“, „besonders“ und „schöngeistig“ genau?

Und wer bestimmt, welchen Werken diese Attribute zugesprochen werden?

Es ist der Kulturbetrieb. Dazu gehören in erster Linie Autoren, Leser, Kritiker, Literaturwissenschaftler, Verlage, Magazine, Zeitungen, das Fernsehen und das Internet.

Dieses Konglomerat aus größeren und kleineren Experten, aus Möchtegern-Kritikern und Laien erzeugt, konsumiert und beurteilt Geschriebenes.

Was davon tatsächlich kunstvoll und schöngeistig ist, bleibt im Kulturbetrieb selbst meist höchst kontrovers und umstritten.

Am Ende ist es die Zeit, die zeigt, welche künstlerischen Ergüsse tatsächlich wertvoll waren.

Wenn ein Buch noch Jahre oder Jahrzehnte nach dem Erscheinen begeistern oder verstören kann, dann hat es wohl etwas Besonderes an sich. Dann ist es wohl „Kunst“. Dann ist wohl „schöner Geist“ in ihm vorhanden.
 

Was Literatur für mich ist …

 
Wie man sieht, fällt die Definition von Literatur nicht leicht.

Sie füllt bereits ganze Bücher, wird von verschiedensten Kennern ganz unterschiedlich angegangen und immer wieder neu versucht.

Wofür steht Literatur für mich persönlich?

Gar nicht so leicht zu fassen, jetzt, wo ich mir diese Frage erstmals selber stelle.

Die Literatur stellt für mich eine willkommene Abwechslung dar inmitten der Lektüre von philosophischen Texten. Nicht bloß eine Abwechslung, oft bleibe ich Wochen bei ihr hängen, ehe ich mich wieder den Denkern widme, die ich für mein Studium pauken sollte.

Denn die Literatur erzählt aufregende Geschichten, entwirft bunte Universen und verstrickte Handlungsgeflechte. Sie entführt mich in die Innenwelt von Menschen, die mich faszinieren oder abstoßen. Sie lässt mich das Spiel mit der Sprache und dem Wort genießen und überrascht mich immer wieder damit, welch unendlich vielseitigen Experimente mit unseren 26 Buchstaben möglich sind.

Ich könnte nicht sagen, dass ich eine bevorzugte Literatur habe. Ich lese ganz einfach, was mir in die Hände fällt, worauf ich im Alltag stoße oder worüber ich besser Bescheid wissen will.

Die Literatur, mit der ich mich beschäftige, ist in erster Linie erzählende Literatur, also Roman oder Erzählung, und steht im Gegensatz zur streng rationalen philosophischen Lektüre.

Hier, in der Literatur, ist die Spielerei, die Handlung und die Wortakrobatik. Dort, in der Philosophie, ist die Idee, das Problem und die Argumentation. Bei manchen Autoren verschwimmen beide Gegenpole miteinander. Aber auch das ist okay.

Im Endeffekt ist es für mich nämlich gar nicht so wichtig, ob dies nun Literatur ist oder Philosophie. Ob jenes den Namen Literatur tatsächlich verdient hat oder nicht. Ob Sachbücher auch Literatur sind oder nicht oder wie man diese genau einordnet.

Letztendlich geht es mir ums Lesen und Horizont-Erweitern. Und dafür ist jeder gute Text geeignet.
 

Warum Literatur lesen? – 7 Gründe …

 

1. Weil Literatur die Zeitmaschine ist, die Forscher nach wie vor nicht bauen können.

 
Literatur aus vergangenen Zeiten katapultiert uns in die Vergangenheit.

Sie lässt uns in Zeitalter eintauchen, in denen die Menschheit noch weit entfernt vom heutigen Stand der Technik war.

Sie lässt uns nachvollziehen, mit welchen Problemen die Menschen damals zu kämpfen hatten. Probleme, die uns heute fremd scheinen, doch ebenso Probleme, die nach wie vor bestehen.

Und sie lässt uns erleben, wie Menschen damals lebten und sprachen.
 

2. Weil Literatur deine Lebenserfahrung erweitert.

 
Du kannst in diesem einen Leben nicht ALLES erleben.

Ich habe mich für eine Sportler-Karriere entschieden und werde somit nie wissen, wie sich das „echte Studentenleben“ anfühlt, auf das ich stets sehr neugierig war.

Du bist wahrscheinlich – wie ich – in einem westlichen, reichen Land aufgewachsen und wirst nie erfahren, wie du dich entwickelt hättest, wärst du nicht stets in allen Belangen geschützt und protegiert gewesen.

Du hast vielleicht eine tolle Frau und Kinder, fragst dich aber nach wie vor, wie ein Leben ohne Familie für dich gelaufen wäre, was du erlebt hättest, ob es dich erfüllt oder zerstört hätte.

Die Literatur, in der Autoren aus allen Teilen der Welt und den verschiedensten Schichten lesenswerte Erfahrungen teilen, kann dir jedoch einen Einblick geben in Perspektiven, die du selbst nie einnehmen wirst.

Diese erweitern indirekt deine eigene Lebenserfahrung, sie erweitern deinen Horizont.

Sie ermöglichen es dir – durch die Augen eines anderen aber immerhin im eigenen Kopf – mehr Leben zu leben als das eine, welches du täglich führst.
 

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3. Weil dich die Literatur Menschen besser verstehen lässt und du so toleranter wirst.

 
In der Literatur geht es um Menschen. Um Charaktere, die mit einem Problem kämpfen. Um einen Helden, der in der Erzählung Höhen und Tiefen durchlebt. Der „Held“ ist in der Literaturwissenschaft kein Superheld, sondern einfach die zentrale Figur der Handlung.

Die Helden der Literatur können unterschiedlicher nicht sein. Skrupellose Mörder, unsterblich Verliebte, geniale Außenseiter, gewitzte Businessmänner, enttäuschte Mütter, emanzipierte Frauen, verfolgte Flüchtlinge, gescheiterte Künstler et cetera et cetera.

Indem wir in einem literarischen Werk solche Charaktere über Dutzende von Seiten verfolgen, die Welt durch ihre Augen sehen, ihre Ängste mitfühlen und ihre Gedanken mitdenken, lernen wir, ihre Handlungen und Entscheidungen nachzuvollziehen und Menschen besser zu verstehen.

Literatur erweitert so nicht nur unseren Horizont indem wir neue Lebensgeschichten kennenlernen, sondern auch indem wir auf unterschiedlichste Menschen treffen und sie in ihrem Innersten begleiten.

Literatur macht dadurch toleranter und aufgeschlossener gegenüber anderen Menschen.
 

4. Weil dich die Literatur Menschen NICHT verstehen lässt und du so toleranter wirst.

 
Literatur zeigt aber ebenso auf, dass wir Menschen nicht immer rational denken und vernünftig entscheiden.

Oft geht eine Handlung in die völlig entgegengesetzte Richtung, in die wir sie gehen sahen. Oft entscheidet ein Charakter völlig anders als wir dachten.

Die Literatur lässt dich Menschen verstehen, sie lässt dich aber ebenso Menschen NICHT verstehen.

Auch das Irrationale ist menschlich. Vielleicht ist GERADE das Irrationale menschlich!?

Fakt ist, dass auch diese Erfahrung toleranter macht.

Literatur zeigt auf, welch widersprüchliche Geschöpfe wir sein können. Und es wäre viel gewonnen, würden jene perfekte Naturen, die meinen, dass wir durch und durch rational sein können und müssen, ab und zu ein literarisches Werk lesen.
 

5. Weil du mit Hilfe der Literatur abschalten und herunterkommen kannst.

 
Eine literarisch wertvolle Geschichte hilft dir abzuschalten und herunterzukommen.

Klar, das tut auch ein spannender „Schundroman“ (zur Schundliteratur folgt ein Blogartikel!), der literarisch wenig bis gar nichts wert ist.

In einem guten literarischen Werk verbindet sich jedoch literarische Qualität mit fesselndem Plot, was sich doppelt gut genießen lässt.

Zumindest ist das meine Vorstellung von guter Literatur.
 

6. Weil irgendein Literat sicher auch dir voll aus dem Herzen sprechen wird.

 
In meinem Email-Guide beschreibe ich, wie ich zum ersten Mal in den Genuss kam, einen Autor zu lesen, dessen Zeilen mir voll und ganz aus dem Herzen sprachen und wie intensiv diese Erfahrung war.

Ich fühlte mich plötzlich verstanden. Ich fühlte mich plötzlich nicht mehr alleine mit meinen Gedanken, meinen Fragen und Ängsten.

Ich bin mir sicher, dass es solch einen Autor für jeden da draußen gibt und man ihn „einfach“ finden muss.

Diese Erfahrung ist magisch und jeder sollte sie machen.
 

7. Weil Literatur ganz einfach Spaß macht!

 
Du liest ein literarisches Werk einer berühmten Autorin. Du genießt jede einzelne Seite und willst nach Beendigung der Lektüre gleich das nächste von ihr lesen. Auch eines ihrer älteren Bücher gefällt dir gut, obwohl es etwas ganz anderes ist. Dort wird wiederum von einem Buch berichtet, das ebenfalls interessant klingt. Du besorgst es dir und liest es. Es ist okay, aber haut dich nicht vom Hocker. „Warum nicht?“, fragst du dich und suchst im Internet nach Rezensionen und Meinungen darüber. Eine Abhandlung zum Buch gefällt dir besonders gut, dort steht auch, dass ein gewisser Autor namens Robert H. so ähnlich schreibt. Du willst wissen, was „so ähnlich“ bedeutet und machst dort weiter …

Und so wächst langsam aber stetig dein Wissen über die Literatur. So bekommst du mit jedem neuen Buch einen besseren Überblick über dieses endlose Universum.

Du genießt die verschiedensten Inhalte der verschiedensten Autoren.

Du genießt, dass sie sich alle unterschiedlich ausdrücken und jeder von ihnen etwas Besonderes zu erzählen hat.

Du bewunderst dieses eine Buch und möchtest es später wieder lesen (vielleicht bewunderst du es dann nicht mehr?) und bist enttäuscht von einem anderen, das hoch in den Himmel gelobt wurde.

Dich fasziniert das Leben eines gewissen Schriftstellers und möchtest sein Werk kennenlernen und verstehst plötzlich, wie er seine Biografie in seinen Romanen verarbeitet hat. Auf der anderen Seite bist du überrascht über den Bruch zwischen seinem Früh- und seinem Spätwerk und bist dir zugleich nicht sicher, von welchem du mehr hältst. Also liest du weiter und …

Diese Reise setzt sich bis ins Unendliche fort.

Literatur ist auch diese Reise. Und diese Reise macht Spaß. Daher macht Literatur Spaß.

 
 
 

Was bedeutet Literatur für dich? Nichts? Alles? Welche Sparte interessiert dich am meisten? Worüber würdest du gern mehr erfahren? Hinterlasse einfach ein Kommentar unter dem Blogartikel. Lasst uns gemeinsam über Literatur reden. Lasst uns gemeinsam zu Experten werden und immer weiter in dieses Reich eintauchen.

Hol dir dafür am besten jetzt gleich den fünfteiligen Gratis-Email-Guide.

 

Warum Literatur lesen
Foto: Lacie Slezak

Blogartikel veröffentlicht am 8.1.2017

 

2 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Samira

    Erstmal ein großes Kompliment!
    Ich habe bisher jeden deiner Artikel mit Interesse gelesen und wurde nicht enttäuscht. Überhaupt gefällt mir die Idee, auf diese Weise zu versuchen, Menschen zum lesen, schreiben und denken anzuregen.

    Um die Frage zu beantworten, worüber ich gerne mehr erfahren würde:
    Ich wäre gespannt zu erfahren, welche Bücher (aus welchen Gründen) du für besonders lesenswert hältst. Oder welche Personen.
    Zum Thema Denken interessiert mich außerdem (was jetzt wohl etwas zu präzise ist^^), wie man als viel und gerne denkender, als kritischer Mensch damit umgeht, wenn sich Menschen im näheren Umfeld, dem man sich nicht so leicht entziehen kann (Familie z.B. ) sich dem kritischen Denken, Diskussion und Argumenten völlig verschließen und ein Weltbild vertreten, dem man absolut nicht zustimmen kann. Etwas in die Richtung (evtl zur Frage, ob man alles tolerieren oder akzeptieren muss).

    Das wäre es, was mir gerade so einfällt, vielleicht kannst du ja mit etwas davon was anfangen.

    Liebe Grüße und weiter so!

    Sam

    • von Gedankennomade

      Liebe Samira,

      Vielen Dank für dein Lob. Diese Kommentare sind der Preis für die viele Arbeit, die ich im Moment in dieses Projekt stecke.

      Ich freue mich sehr, dass du tatsächlich alle bisherigen Posts gelesen hast und ich denke, da bist du vielleicht sogar die Einzige 🙂

      Darüber hinaus bin ich sehr glücklich über deine Fragen, genau so würde ich mir das vorstellen.

      Zum Thema Bücher, die ich für lesenswert halte: Schreibe gerade jetzt am neuen Artikel und da wird es um so ein Buch gehen. Aber auch für die Zukunft sind weitere solcher Beiträge geplant.

      Zum Thema kritisches Denken: Ich kann SEHR gut nachvollziehen was du meinst. Ich habe ein ähnliches Problem in meinem Umfeld. Es würde mich sehr interessieren, wobei es sich in deinem Fall da genau handelt. Du kannst es mir natürlich auch per Mail schreiben, wenn der Ort hier in den Kommentaren zu „öffentlich“ ist. Ein Artikel über dieses Thema wäre sicherlich die Arbeit wert, muss mir aber noch überlegen, wie ich den am besten angehen könnte, bzw. womit ich ihn verknüpfen könnte. Es wäre auf jeden Fall ein sehr anspruchsvoller Post …

      Vielen Dank für deine Worte,
      bis bald,
      Philipp

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