„Was bringt Philosophie?“ – 7 Antworten

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Eine kleine Einführung in das große Reich des Denkens

 
Schreckt dich das Wort Philosophie ab oder fasziniert es dich?

Mich faszinierte es von Anfang an.

Vielleicht deshalb, weil mir das Unterrichtsfach Philosophie erst in der letzten Klasse Gymnasium offenbart wurde, während ich davor den Begriff zwar schon kannte, aber nie wusste, was sich genau dahinter verbarg.

So wartete ich jahrelang darauf, diese Wissenschaft besser kennen zu lernen und wurde neugieriger und neugieriger.

Vielleicht auch deshalb, weil es mich immer schon begeisterte, dass sich die Philosophie mit den LETZTEN FRAGEN beschäftigt und Antworten auf diese sucht.

Letzte Fragen! Klingt das nicht spannend?
 

– Nein!

 
Okay, nicht jeder ist so ein Freak wie ich. Nicht jeder erstarrt vor Ehrfurcht bei den Namen großer Denker, deren Ideen Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauerten.

Gut möglich, dass dich der Philosophie-Unterricht zu Tode gelangweilt hat.

Gut möglich, dass du damals mehr über die Party-Erlebnisse vom Wochenende grübeln wolltest als über die Ergüsse eines Denkers.

Gut möglich, dass dein mieser Philo-Lehrer einfach unfähig war, die Denk-Party in deinem Kopf zum Laufen zu bringen.

Gut möglich, dass du niemals in Berührung mit der Philosophie kamst.
 

Was ist Philosophie überhaupt?

 
Der Begriff setzt sich aus den altgriechischen Worten „philein“ = „lieben“ und „sophia“ = „Weisheit“ zusammen. Die Philosophie ist somit die „Liebe zur Weisheit“.

Damit ist uns noch nicht viel geholfen.

Am besten erklärt sich die Philosophie, wenn man sich näher ansieht, womit sie sich beschäftigt.

Kleiner Hinweis am Anfang: Sie beschäftigt sich mit so ziemlich allem.
 

Philosophie beginnt dort, wo man mit normalen Mitteln nicht mehr weiterkommt …

 
Und es ist tatsächlich so, dass man in jeder Wissenschaft oder auch in jedem Teilbereich des Lebens irgendwann einmal an eine Sackgasse kommt.

Nehmen wir die politische Stammtisch-Diskussion im Wirtshaus;

Da wird endlos über diesen oder jenen Politiker geschimpft. Diese Partei in den Himmel gelobt, jene dem Untergang geweiht. Man diskutiert über Tagespolitik und die Entwicklungen in der Zukunft. Und irgendwann geht es dann um grundsätzlichere Fragen zur Politik; „Was wäre denn überhaupt die beste Art, ein Land zu regieren?“ oder „Ist Demokratie überhaupt noch zeitgemäß?“.

Und die Antworten darauf?

– „Hmm …“, „Schwer …“ oder „Da brauch ich jetzt noch ein Bier.“

Wir sind in den Bereich der letzten politischen Fragen gelangt und somit in den Bereich der Politischen Philosophie.

Anderes Beispiel:

Max und Moritz diskutieren darüber, ob ihr Freund Asterix die Wahrheit gesagt hat oder nicht. Max ist davon überzeugt, dass er lügt, Moritz denkt, das Gegenteil wäre der Fall. Nach langem hin und her gehen beiden die Argumente aus und Max meint zögernd: „Was ist diese scheiß Wahrheit überhaupt?“. Moritz blickt überrascht auf, runzelt die Stirn und meint: „Gute Frage!“.

Hoppla. Unsere zwei Freunde sind unvorhergesehen in die Philosophie abgerutscht. Und so debattieren sie noch zwei Stunden munter weiter über das Wesen der Wahrheit.

Diese Frage wird übrigens in der Erkenntnistheorie behandelt. Einem weiteren Teilbereich der Philosophie.

Ganz grob wird die Philosophie in die Theoretische und die Praktische Philosophie eingeteilt. Diese Zweiteilung geht auf den großen Aristoteles zurück. Während die Theoretische Philosophie im Verstehen ihr Ziel hat, steht in der Praktischen Philosophie das Handeln im Mittelpunkt. Die oben angesprochene Politische Philosophie gehört zur Praktischen, die Erkenntnistheorie zur Theoretischen Philosophie.
 

Was bringt Philosophie?

 
Diese Frage ist wohl so alt wie die Philosophie selbst.

Der-Philosophie-Feind beantwortet sie oft ganz einfach:

– „Nichts!“

Ich sehe das anders:
 

1. Philosophie hilft dir dabei, im Denken kompromisslos bis zum Ursprung eines Problems vorzudringen

 
Die zwei Beispiele oben haben gezeigt, dass viele Gespräche irgendwann ins Philosophische abrutschen.

Für mich ist diese Tatsache allein Beweis dafür, dass das philosophische Sprechen für uns Menschen essentiell ist.

Wir wollen – zumindest die meisten von uns – zu den Fundamenten gewisser Fragen vordringen. Die Philosophie tut das, sie fragt kompromisslos immer weiter, stellt die grundlegenden (letzten) Fragen und lässt Halbwahrheiten oder vage Vermutungen nicht gelten.

Wenn du ohne Einschränkungen denken und fragen willst, dann beschäftige dich mit Philosophie.
 

2. Philosophie bringt Orientierung und Orientierung hilft bei Entscheidungen

 
Indem du mit Hilfe der Philosophie kompromisslos Fragen stellst, dringst du also immer weiter zum Fundament eines Problems vor.

Und je weiter du zu diesem vordringst, desto besser kannst du dich in einem Problembereich orientieren.

Und je besser du dich orientieren kannst, desto bessere Entscheidungen kannst du treffen.

Beispiel: Sagen wir, deine schwerkranke Mutter kann sich nicht mehr mitteilen. Du weißt nicht, ob sie leidet, du fragst dich, ob ihr Leben noch lebenswert ist, du verzweifelst, weil du nur das Beste für sie möchtest.

Die Bioethik als Teil der Philosophie hat sich mit diesem Dilemma beschäftigt und kann dir hier Orientierung bieten.

Sie kann dir lernen, welche Werte in solchen Situationen miteinander im Konflikt stehen. Indem du die Begriffe „Autonomie“, „Leiden“, „Recht auf Leben“ etc. genauer analysierst und du dir so Orientierung verschaffst in diesem Gebiet.

Mit Hilfe dieser Orientierung kannst du am Ende dann besser und begründet entscheiden, was für deine Mutter nun am besten ist.

Dieser Punkt ist jedoch – auch das werden wir in Zukunft noch sehen – kontrovers. Während mir Philosophie in gewissen Bereichen schon zu besserem Verständnis eines Problems und so zu einem stabilen Fundament verholfen hat, passierte in anderen genau das Gegenteil. Je weiter ich in den Problembereich vordrang, desto ahnungsloser wurde ich … – Aber auch das kann lehrreich und faszinierend sein!
 

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3. Philosophie fordert deinen „gesunden Menschenverstand“ immer wieder heraus

 
Der ist nämlich oft gar nicht so gesund, wie er erscheinen mag.

Er ist meist einfach nur zu gemütlich um selbst zu denken.

Eigentlich sollte er „fauler Menschenverstand“ heißen, dieser Blender.

Die Philosophie fordert ihn immer wieder heraus. Sie respektiert ihn natürlich und fragt sich auch, warum wir als Masse in dieser oder jener Sache auf eine gewisse Seite tendieren. Doch sie stellt ihn auch bloß, wenn er überholt und nicht mehr up-to-date ist.

Ein weiterer Grund, weshalb Philosophie so wertvoll ist.
 

4. Philosophie ermöglicht es dir, Probleme aus verschiedensten Perspektiven zu betrachten

 
Jeder Philosophiestudent weiß, dass ein Problem meist komplexer ist, als es am Anfang aussieht.

Und jeder Philosophiestudent ist auch schon einmal verzweifelt daran, dass die großen Fragen auf so unterschiedliche Weise und immer wieder neu beleuchtet werden können.

Aus dieser Erfahrung lernt man. Man lernt, Probleme zu zerlegen und aus verschiedensten Perspektiven zu betrachten.

Ich erinnere mich noch, am Anfang meines Studiums in einer Tischrunde von gut zwölf Leuten schüchtern verlautbart zu haben, dass ich nun ein Philosoph wäre. Es folgte Schmunzeln und die typische Frage „Was willst du denn damit bitte machen?“.

Noch bevor ich zu meiner ersten Verteidigung ausholen konnte (die damals wohl in die Hose gegangen wäre), übernahm ein 35-Jähriger Kollege am Tisch das Wort. Er erzählte, dass sein Chef (er arbeitete in einem mittelgroßen Betrieb in der Computerbranche) in den letzten zwei Jahren zwei Philosophen eingestellt hatte, weil er von deren Fähigkeiten „unkonventionell und um die Ecke zu denken“ immer schon begeistert gewesen wäre, und alle beide seine Erwartungen bisher übertroffen hätten.

Plötzlich schmunzelte keiner mehr am Tisch. Es hatte auch niemand eine Entgegnung parat. Ich war doppelt glücklich; Einerseits war ich nicht mehr unter Rechtfertigungszwang und andererseits von nun an noch mehr von meinem Philosophie-Studium überzeugt.
 

5. Philosophie kann dir auf der Suche nach einem glücklichen Leben behilflich sein

 
Sehr viele Philosophen haben die Frage nach dem glücklichen Leben gestellt.

Die Frage danach, was ein glückliches Leben ist, aber auch die Frage danach, wie man glücklich wird.

Die Philosophie ist voll von Anleitungen zum Glücklich-Sein.

Ich werde dir hier im Blog sicher die ein oder andere vorstellen.
 

6. Philosophie zeigt dir, was (nicht) „gut“ ist

 
Die Frage nach dem Guten behandelt die Philosophie in der Ethik (die wiederum Teil der Praktischen Philosophie ist).

Was ist das Gute? Wie wird man ein guter Mensch?

Die Philosophen haben versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden. Und diese fielen sehr unterschiedlich aus.

Auch darüber werde ich hier in Zukunft sprechen.
 

7. Philosophie macht Spaß!

 
Wieso?

Weil es unglaublich ist, was schon alles gedacht worden ist.

Weil es erstaunlich ist, dass immer wieder ein neuer Denker auftaucht und etwas Noch-nie-da-Gewesenes aus der Tasche zaubert, woran sich die nächsten Generationen die Köpfe zerbrechen.

Weil es ein Genuss ist, den Fehden und Gedankengefechten zwischen Philosophen zu folgen.

Weil es gut tut zu merken, dass man sich im Universum der Philosophie mit jedem Schritt, den man sich weiter hineinwagt, auch immer besser auskennt, man immer mehr Zusammenhänge durchblickt.

Weil viele der großen Philosophen auch hervorragende Schreiber waren voller Beobachtungsgabe, Witz und Treffsicherheit im Formulieren.

Weil du dir das Reich der Philosophie so erschließen kannst, wie du selbst es am liebsten tust. Ganz egal ob du zuerst mal mit den alten Vorsokratikern beginnst oder mit den Philosophen des 20.Jahrhunderts. Ganz egal ob du eher personenspezifisch oder mehr themenbezogen eintauchst. DU entscheidest, wo du beginnst und wie du dich vorantastest.

 

 

Bist du Neuling der Philosophie oder bereits mit ihr vertraut? Mit welchen philosophischen Themen oder Denkern hast du dich schon beschäftigt? Was/wer gefiel dir gut und was/wer nicht? Über welche philosophischen Probleme würdest du gern genauer Bescheid wissen?

Hinterlasse deine Fragen und Anmerkungen oder was dir sonst noch auf dem Herzen liegt in den Kommentaren unter diesem Artikel. Philosophie ist vor allem auch Diskussion. Darum lasst uns hier diskutieren, damit wir alle gemeinsam weiterkommen!

Und falls du noch tiefer in die Welt des Lesens, Denkens und Schreibens eintauchen willst, hol dir unbedingt jetzt sofort den kostenlosen Gedankennomaden-Guide!

 

Was bringt Philosophie
Foto: Álvaro Serrano

Blogartikel veröffentlicht am: 1.1.2017,
aktualisiert am 6.1.2017

 

4 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Erich Eckmayr

    Lieber Philipp!

    Danke für die Möglichkeit in dieser Form meine Gedanken mit dir zu teilen. Ich möchte zur Frage „Was bringt Philosophie?“ Stellung nehmen.

    Anfangen möchte ich mit Punkt 5. Ich stimme dir zu, dass Philosophie dabei helfen kann glücklich zu werden. Allerdings kann sie auch sehr viel leisten um unglücklich zu werden. Was meine ich damit? Erkennt der Mensch durch starkes Nachdenken, dass im Leben nicht alles so läuft wie es zu sein sollte, führt dies unmittelbar zu vermindertem Wohlbefinden. Gut, das würde sich beheben lassen. Das Denken ermöglicht schließlich Lösungen für Probleme zu finden. Der engagierte Denker findet schließlich einen Lösungsansatz – einen theoretischer Natur.

    Und jetzt kommt die Königsdisziplin. Das Umsetzen der Theorie in die Praxis. Das Problem ist zumeist, dass das Umsetzen der Theorie in die Praxis mit Arbeit verbunden ist. Arbeit, die mitunter unangenehme Auseinandersetzungen mit Mitmenschen beinhaltet. Man ist sich zwar bewusst, dass die aktuelle Situation nicht optimal ist, gleichzeitig würde man aber durch Änderung der Situation einer großen Ungewissheit entgegensteuern. Ungewissheit ist unangenehm. Somit bleibt es oftmals beim Philosophieren. Die Umsetzung und das Leben der eigenen Erkenntnisse bleibt hinten. Der Umstand, dass man wüsste, wie es besser gehen würde gepaart mit der Ohnmacht zu handeln verstärkt das Unglücklichsein. Philosophie bzw das Nachdenken macht unglücklich, wenn man daran scheitert sich selbst Gesetz zu sein.

    Meine Gedanken beruhen auf Erfahrungswerten aus dem Berufsleben und dem Privatleben.

  2. von Gedankennomade

    Lieber Erich,

    Danke für dein konstruktives Kommentar. So würde ich mir das hier in Zukunft vorstellen. Also auch an alle anderen: nur keine falsche Scheu!

    Ich will in zwei Schritten antworten:

    1) Ich sehe deinen Einwand, dass die Philosophie auch unglücklich machen kann. Vor allem dann, wenn sie uns Sackgassen im Denken aufzeigt, egal in welchem Bereich. Und dennoch ist für mich das reine Denken immer wieder eine Freude, weil es einen fordert, mitnimmt und an immer neue Orte führt, auch wenn einige davon Sackgassen sind.

    Vielleicht kommt es auch darauf an, was für ein Mensch man ist.
    Während der eine eher an Oberflächlichkeit und Mainstream ohne Tiefgang verzweifelt und im Denken einen Ort des Rückzugs findet, der ihn glücklich macht, ist das Problem bei einem „Lebemenschen“ umgekehrt. Letzterer wird gerade dann unglücklich, wenn man ihn aus seinen weltlichen Genüssen herausreißt und ihn über das Leben nachdenken lässt. Wenn er auf einmal bemerkt, dass all seine Freuden nur Ablenkungen sind, um sich gewisse ernsthafte Fragen nicht stellen zu müssen …
    Ich rechne mich zur ersten Sorte Mensch und daher wird mich Philosophie wohl immer glücklich machen.

    2) Es muss beim Denken über ein glückliches Leben (dein Kommentar bewegt sich ja klar in diesem Bereich, also der Ethik) meiner Meinung nach immer auch um die Umsetzung gehen. Dass es Ethiker gab, die auf Hunderten Seiten dargelegt haben, wie man leben sollte, selbst aber genau das Gegenteil davon gemacht haben, ist bekannt.
    Ich denke Ohnmacht und Ungewissheit sind oft Ausreden, um nicht anfangen zu müssen, einmal etwas zu ändern, um auf lange Sicht und tief im Inneren glücklich zu werden. Der Weg zum Glücklich-Sein kann mit Schmerzen beginnen, davon bin ich überzeugt.
    Was ich aber interessant finde an deinem Kommentar, ist, dass du diese Verbindung zwischen Theorie und Praxis aufzeigst. Ja, diese ist oft schwer zu gehen, manchmal unüberbrückbar, manchmal gar nicht erwünscht oder mitgedacht.
    Ein Grund, weshalb mich zum Beispiel der Zen-Buddhismus so fasziniert, ist, dass er eine „Lebensphilosophie“ darstellt, die aber gleichzeitig auch Praxis ist.

    Ein wichtiger kommender Blogartikel, den ich schon lange plane, wird sich um diese Verbindung zwischen Theorie und Praxis drehen, auch um die Verbindung zwischen Hirn und Herz. Klingt jetzt vielleicht ein bisschen esoterisch – und ich weiß, dass man damit so manchen „echten“ Philosophen vertreiben kann – aber ich bin da ein wenig offener in diese Richtung eingestellt …

    Ich hoffe, ich konnte dir interessante Entgegnungen zu deinen Gedanken bringen.

    Bis bald,
    Philipp

  3. Hallo Philipp, 7 x JA!
    „Liebe und Weisheit sind zwei Flügel“
    Ich freue mich jetzt schon auf deinen Hirn und Herz Artikel!
    Bis bald,
    Irene

  4. von Gedankennomade

    Hallo Irene,

    Danke dir, der kommt bestimmt.

    Bis bald,
    Philipp

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