Besser schlafen – besser leben

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Über unsere Lieblingstätigkeit und den Selbstoptimierungs-Wahn

 
Im Moment konzentriert sich meine Lektüre sehr auf den Bereich “persönliches Wachstum”.

In meinem letzten Beitrag über Zippels Leider geil, fett & faul wurde dies deutlich und auch heute soll es wieder um Selbstoptimierung gehen.

Aber keine Angst, für die nahe Zukunft plane ich auch eine Wiederaufnahme der „Schulphilosophie“, die in letzter Zeit etwas zur kurz gekommen ist.
 

Stichwort Selbstoptimierung

 
Ein Wort, das man heutzutage öfters hört, vielen aber ein Dorn im Auge ist.

Mit einem Kollegen sprach ich vor kurzem über Tools zur Leistungssteigerung im täglichen Leben.

Seine Entgegnung: „Ich stehe diesem ganzen Selbstoptimierungs-Scheiß sehr skeptisch gegenüber!“.

Detail am Rande: Er selbst war Leistungssportler bis kurz vor seinem dreißigsten Lebensjahr.
 

“Sleep” – Schlafen wie die Profis

 
So der Name des Buches, das mich zu diesem Artikel motivierte.

Ja, „Profis“ – und damit sind hauptsächlich die im Sport gemeint – schlafen anders als „die Anderen“. (Wobei „die Anderen“ durchaus auch wie Profis schlafen sollten, um ihre Lebensqualität zu steigern!)

Zumindest, wenn uns Nick Littlehales, der Autor dieses spannenden Sachbuches, die Wahrheit erzählt, wovon ich ausgehe.

Littlehales begann als Vertriebs- und Marketingdirektor des größten Konzerns für Matratzen und Schlafzimmermöbel in Europa. Als er Ende der 90er Jahre wissen wollte, was der damalige dominierende Premier-League-Club Manchester United für den Schlaf ihrer Spieler tue, war er überrascht über die Antwort: Gar nichts!

Allerdings weckte seine Anfrage das Interesse eines gewissen Sir Alex Ferguson.

Der Startschuss zu einer steilen Karriere als „Schlafcoach“. Littlehales wurde zum Schlaf-Berater von Manchester United, vom Tour-de-France-Siegerteam „Sky“, von Real Madrid sowie von Teams der nordamerikanischen Profi-Ligen NBA, NFL und NHL.

Irgendetwas scheint er richtig gemacht zu haben …
 

Das Konzept:

 
Littlehales präsentiert sein Schlafprogramm in Sleep: Schlafen wie die Profis – Das Buch vom Schlaf-Coach internationaler Spitzensportler – (*) in sieben aufschlussreichen und keineswegs einschläfernden Schritten:
 

1. Zirkadiane Rhytmen

 
Der zirkadiane Rhythmus ist ein 24-stündiger, sich wiederholender Prozess, der in uns allen verwurzelt ist. So beginnt unser Körper zum Beispiel um etwa 21 Uhr mit der Melatonin-Ausschüttung, die das Müde-Werden unterstützt. Gegen zwei oder drei Uhr am Morgen erreichen wir hingegen die effektivste (tiefste) Schlafphase, während wiederum um etwa 7:30 Uhr die Melatonin-Ausschüttung endet und um etwa 9 Uhr die Testosteron-Ausschüttung beginnt, welche uns aktiv werden lässt und so weiter und so fort.

Die zentrale Botschaft des ersten Kapitels: Wir haben nach wie vor diesen Rhythmus in uns, den auch der Urzeitmensch von damals in sich trug, der komplett anders lebte, morgens nicht gehetzt aufstand, nachts keine Schichtarbeit machen musste und nicht auch noch in den Abendstunden blauem Licht ausgesetzt war, das die Produktion von Melatonin senkt, welches uns beim Einschlafen helfen würde.

Die Tipps: Werden wir uns diesem Rhythmus wieder bewusster und auch den Mustern, die jenen der Menschen, die vor Hunderttausenden von Jahren lebten, widersprechen, deren zirkadianen Rhythmus wir aber nach wie vor in uns tragen. Vermeiden wir Hektik am Morgen und blaues Licht in den Abendstunden
 

2. Chronotypen

 
Die verschiedenen Chronotypen präzisieren das in Kapitel 1 Gelernte. Der zirkadiane Rhythmus ist in seinen Phasen und Abständen zwar für alle gleich, der Chronotyp regelt nun aber zum Beispiel, wann genau die Melatonin- bzw. Testosteron-Ausschüttung beginnt.

Genetisch angelegt sind die Chronotypen dafür verantwortlich, dass es Abend- und Morgenmenschen gibt, sowie die ein oder andere Mischform.

So wie man sich dem zirkadianen Rhythmus bewusst sein sollte, ist es auch wichtig, herauszufinden, welcher Chronotyp man ist. Dafür gibt es im Internet Fragebögen mit Auswertung. Wenn du allerdings morgens fünfzehn Mal die Snooze-Funktion deines Weckers verwendest und dir – einmal aufgestanden – drei Tassen Kaffees in den Kadaver kippst, um in Schwung zu kommen, während du abends vor Mitternacht die Augen nicht zubringst, erübrigen sich diese Tests natürlich, du Morgenmuffel (= Abendmensch)!

Tipps: Organisiere den Tag so, dass du am wachsten bist, wenn es drauf ankommt. Setze Koffein gezielt ein. Blöd für Abendmenschen: Ein Verzicht auf das Ausschlafen an Wochenenden wäre sinnvoll, denn versucht der Abendmensch die ganze Woche lang, die innere Uhr an frühes Aufstehen (die Anforderung der meisten Jobs) anzupassen, schläft am Wochenende dann aber bis Mittag, stellt sich der Biorhythmus erneut auf seine natürliche Zeit ein und man muss montags wieder von vorne beginnen.
 

3. Zyklen

 
Littlehales rät dazu, Schlaf nicht in Stunden sondern in Zyklen zu messen. Er nennt dies “R90-Programm”, denn so ein Zyklus umfasst jeweils neunzig Minuten. Diese Zahl ist nicht willkürlich gewählt, wie es Zahlen von vielen Mode-Diäten sind (Wann checken die Menschen endlich, dass fast all diese neuen Diäten kreativ-verpackte willkürliche Zahlenspiele sind, mit geschickter Pseudowissenschaftlichkeit hinterlegt und mit viel werbetechnischem Know-How verkauft?), nein, 90 Minuten beträgt die Zeitspanne, die ein Mensch – unter klinischen Bedingungen – benötigt, um all die Schlafphasen (Eindösen/ Leichter Schlaf/ Tiefschlaf/ REM) durchzumachen, die einen Schlafzyklus ausmachen. Am Ende jedes Zyklus (also am Ende der REM-Phase) wachen wir übrigens auf – woran man sich aber normalerweise nicht erinnert – bevor der nächste Zyklus beginnt.

Littlehales erklärt sodann, wie man diese Erkenntnis am besten auf seinen eigenen Chronotypen anwendet. Darüber hinaus ist ein konstante Weckzeit der Anker des R90-Progamms und der persönliche Schlaf soll über längeren Zeitraum betrachtet werden, wodurch eine schlechte Nacht alleine kein Problem darstellt.
 

4. Warm-Up und Cool-Down

 
Hier gibt Littlehales eine Menge Tipps, die Zeit vor und nach dem Schlafen möglichst sinnvoll zu gestalten, um die Schlafqualität zu steigern. Der ganze Tag kann als „Schlafvorbereitung“ gesehen werden. Es zählt nicht nur die Stunde vorm Einschlafen, nein, auch was man unmittelbar nach dem Aufstehen tut, wird sich auf den Schlaf der nächsten Nacht auswirken.

So warnt Littlehales Abendmenschen vor der Schlummertaste und leitet dazu an, erstmals munter zu werden, bevor man das Handy nur Hand nimmt. Ein Wechsel von warmer Umgebung in ein kühles Schlafzimmer (16-18 Grad) hilft beim Einschlafen, ein festes Ritual vorm Bett-Gehen (Nasenatmung, Entspannen, …) wirkt Wunder.
 

5. Powernaps

 
Powernaps – eh schon in aller Munde – nennt Littlehales CRPs (= Controlled Recovery Periods). Er empfiehlt, sie als völlig normal anzusehen (denn das Nachmittagstief ist nun mal unserem zirkadianischen Rhythmus geschuldet) und sich diese Auszeiten zu gönnen. Sie können – für die meisten unmöglich – einen ganzen Zyklus umfassen (also 90 Minuten), jedoch ist die praktischere 30-minütige Variante ebenfalls okay (und zählt übrigens in der Gesamt-Zyklus-Bilanz auch als ein vollständiger Zyklus).
 

6. Das perfekte Bett

 
Hier spricht Littlehales darüber, wie und worauf wir schlafen sollen. Ein längeres Kapitel übrigens, nach dessen Beendigung ich mir sofort eines seiner “Sleep-Kits” bestellen wollte.

Doch dazu weiter unten mehr.
 

7. Das Schlafzimmer

 
Die Wichtigkeit des Schlafzimmers wird von uns allen unterschätzt. Ein Fernseher im Schlafzimmer? – Für viele ein Muss, für Littlehales ein Kapitalfehler.

Das Schlafzimmer sollte KEINE Erweiterung des Wohnzimmers sein. Man sollte es entleeren, von allen Ablenkungen frei machen. Richtige Dunkelheit – und keine halbe – ist enorm wichtig. Das Schlafzimmer sollte kühler sein als die restliche Wohnung. Sicherheit und Geborgenheit, Ordnung und neutrales Dekor sind ein Muss, Anregung (Bilder, Bücher etc.) ein No-Go. Handy? – Zutritt verboten!
 
[Hauptgoodie]

Mein Kollege und die Selbstoptimierung

 
Da sagt mir dieser Ex-Leistungssportler also, mit Selbstoptimierung könne er nichts anfangen …

Was hat er dann eigentlich seine ganze Karriere lang gemacht?

Sind wir Profis nicht ständig auf der Suche nach Tipps und Tricks, mit denen wir unsere Leistung noch weiter steigern können?

– Leider sind wir das nicht alle. Oder sagen wir so: Leider verstehen viele Sportler (vor allem Ballsportler) nicht, dass ihr gesamter Lebenswandel teilhat an ihrer Leistung. Dass man in jedem Bereich etwas rausholen kann.

Ich hatte bereits viele Mitspieler, die sich im Kraftraum so schunden, dass sie zum abendlichen Balltraining am Zahnfleisch angekrochen kamen, aber auch dort noch hundert Prozent gaben. Trainingsmaschinen, die sich für jede Einheit motivieren konnten, um alles aus der investierten Zeit herauszuholen.

Doch gleichzeitig waren es dann gerade diese, die den größten Müll fraßen jeden Tag, oft mal einen über den Durst tranken oder bis spät in die Nacht vor der Playstation hangen und nicht annähernd auf ein gesundes Schlafpensum kamen.

Vor ein paar Jahren hatte ich einen Kollegen mit chronischen Knieschmerzen. Er machte Überstunden in der Kraftkammer sowie vor und nach jedem Balltraining. Auf die Idee, die zwei großen Bier jeden Abend wegzulassen, kam er allerdings nie. „Die brauche ich zur Erholung.“ und „Daran liegt es sicher nicht!“, versicherte er mir.
 

Wie passt das zusammen?

 
Es gibt hier meiner Meinung nach zwei Probleme:

1) Der Sportler ist sich über schädliche Gewohnheiten tatsächlich nicht bewusst, weil er nie dafür sensibilisiert wurde. Unwahrheiten wie „Ein Sportler kann essen, was er will, weil er sowieso viel mehr verbrennt als andere.“ oder „Es ist mir egal, wenn ich eine Stunde mit dem Auto ins Training fahre, weil ich beim Fahren entspannen kann.“ ziehen tatsächlich sogar auf höchstem Niveau noch ihre Runden.

2) Der Sportler redet sich ein, dass seine Laster keinen Einfluss auf seine Leistung hätten. Regelmäßiges Rauchen kenne ich sogar von Weltklasse-Volleyballern (übrigens auch Weltklasse-Fußballern). Und ja, mit Sicherheit wird der rauchende Profi nicht sofort um zwei Klassen besser, wenn er sein Laster bleiben lässt. Allerdings wird er sich wohler fühlen, ein stabileres Abwehrsystem entwickeln, weniger oft krank sein und als Folge all dessen mehr Energien freilegen, die er in mehr Training oder höhere Intensität im Training umwandeln kann.

Ich möchte mich hier nicht als Engelchen hinstellen, das sich nie etwas gönnt, weil es stets die eigene Höchstleistung im Auge hat. Jedoch bin ich mir sehr wohl bewusst, was mir alles schadet im Hinblick auf „being the best version of myself“.

Wenn ich am Samstag nach dem Spiel Party mache, dann bin ich zwar sicher am Samstag darauf im nächsten großen Spiel wieder fit (es sei denn, es war eine sehr sehr gute Party 😉 ), der Trainingstag am Montag wird mir aber definitiv schwerer fallen als üblicherweise und ich verliere wohl ein paar Prozent an dem Gesamtpensum, das ich mir über die Woche aufbauen könnte.
 

Besser schlafen – besser leben

 
Was hat das alles mit einem Buch über Schlaf zu tun?

Na klar, auch im Schlaf schlummern viele dieser gejagten Prozent.

Wenn ich mir denke, dass man ein Drittel seines Lebens verpennt, dann erscheint es mir völlig logisch, dass Schlafoptimierung Leistungsoptimierung (und Lebensqualitätsoptimierung für die Nicht-Sportler unter meinen Leserinnen und Lesern) ist.

Vor allem dafür hat mich Littlehales Buch sensibilisiert.

Er selbst spricht im Buch vom Marginal-Gains-Ansatz. Den hat er nicht selbst erfunden, doch dieser besagt, dass sich viele kleine Änderungen in einem gewissen Bereich am Ende zu einem großen, spürbaren Unterschied summieren.
 

Kann ich das nun bestätigen?

 
Ich las das Buch schnell aus, weil es viel Neues für mich enthielt und ich es spannend fand, wie Littlehales bekannten Sportlern (er arbeitet im übrigen auch mit Christiano Ronaldo zusammen) und Teams zu deren Erfolgen verhelfen konnte.

Darüber hinaus hatte ich ein Ziel;

In all meinen dreißig Lebensjahren, in denen ich in den unterschiedlichsten Ländern in verschiedensten Betten geschlafen habe, egal ob in meiner eigenen Wohnung oder in Hotels, gab es bis zur Lektüre des Buches “Sleep” nur einen Ort, an dem ich – zumindest manchmal – eine Nacht durchschlafen konnte: im Bett in meinem Kinderzimmer zuhause bei den Eltern. Eine Nacht ohne Aufwachen (oder zumindest ohne Erinnerung daran) ist mir also heute – da ich kaum noch in meinem Elternhaus schlafe – eigentlich fast vollkommen fremd.

Mein Ziel war also klar – das Durchschlafen zur Normalität werden zu lassen.
 

Was ich veränderte …

 
Nach der Lektüre von „Sleep“ machte ich mir eine Liste mit all den Dingen, die ich verändern wollte, um meine Schlafqualität zu erhöhen.

Folgendes setzte ich um:

Ich installierte Blaulicht-Filter am Handy und am Computer, die sich am Abend automatisch einschalten, und das spätabends kontraproduktive, weil das Müdigkeitsgefühl hinauszögernde, blaue Licht aus meinen technischen Apparaten filtern.

Ich zog eine Koffein-freie Woche durch, um jegliche Koffein-Reste aus meinem Körper zu filtern.

Ich legte meine persönliche perfekte Weckzeit auf 8 Uhr morgens und versuchte, nachts auf fünf Zyklen zu kommen (was eine Einschlafzeit um 0:30 Uhr bedeutet) plus einen weiteren Zyklus als Powernap (CRP) am Nachmittag zu integrieren.

Ich schaltete mein Handy täglich bereits anderthalb Stunden vor der Einschlafzeit (um 23 Uhr) aus, um herunterzufahren und meine Abendroutine zu beginnen, die aus Stretching, Mentaltraining und Lesen in Kerzenlicht bestand.

Ich kaufte mir Nasenpflaster, um die wichtige Nasenatmung nachts zu forcieren, die Schnarchen und Schlaf-Apnoe verhindert.

Den Tag begann ich jeweils strikt OHNE Liegenbleiben mit Snooze-Funktion (das Handy hatte ich ohnehin aus dem Schlafzimmer verbannt!) mit anschließender kurzer Morgenroutine – Gesicht-Waschen, zwei Minuten am Fenster Tageslicht tanken, Abwasch und Frühstück. – Erst danach folgte der erste Blick aufs Handy, oft verlegte ich ihn sogar noch weiter nach hinten.

Ich versuchte mich vom Rückenschläfer zum Seitenschläfer (die nach Littlehales einzig richtige Schlafposition) zu erziehen.

Ich wusch wöchentlich mein Bettzeug und saugte zumindest einmal pro Woche im Schlafzimmer.

Ich klebte meine Schlafzimmerfenster mit schwarzen Müllsäcken ab, da ich dort keine Rollläden habe und der Vorhang nicht wirklich hilfreich war, um für absolute Dunkelheit zu sorgen.
 

Die Ergebnisse:

 
Gleich vorweg: Ich schlafe leider (nach vier Wochen Selbsttest) nach wie vor noch nicht durch …

Littlehales spricht wiederholt davon, wie wichtig völliges Wohlfühlen ist, um perfekten Schlaf zu bekommen. Vielleicht ist dieses für mich – unterbewusst – nur dann gegeben, wenn ich in jenem Bett schlafe, in dem ich meine ersten 18 Lebensjahre in der Geborgenheit meines Kinderzimmers und nahe der Eltern (nein, die schliefen nicht mit mir im Bett aber zumindest nur einen Stock höher) verbracht habe.

Dennoch werde ich viele der Veränderungen beibehalten.

Eine fixe Weckzeit, die man streng einhält, ist der Grundpfeiler für einen funktionierenden Rhythmus, den dir dein Körper danken wird. Er kennt sich einfach – so scheint es mir – viel besser aus, wenn du ihn täglich um die gleiche Zeit weckst und du ihn nicht verarscht. (Im Übrigen heißt dies ganz und gar nicht, dass man jede Nacht gleich viel schlafen muss. Verpasst man seine normale Einschlafzeit – bei mir 0:30 Uhr – geht man einfach einen Zyklus später schlafen – also um 2 Uhr. Ebenso gut kann man davor einen Zyklus dranhängen, wenn man sich sehr müde fühlt. Ein Abend mit Freunden, ein Kinofilm oder was auch immer, das heißt alles, was die gewöhnliche Routine verändert, ist also absolut kein Problem.)

Die zweite große Änderung, die ich unbedingt beibehalten möchte, ist das Abendritual. Dass man nicht noch kurz vorm Schlafengehen Emails beantworten soll und das Handy nicht im Schlafzimmer übernachtet, wusste ich bereits davor. Durchgezogen habe ich es erst jetzt und diese „Vorbereitung“ auf den Schlaf fühlt sich wirklich gut an, vor allem weil ich dort Sachen unterbringe, dich ich ohnehin unbedingt täglich machen will.

Die koffeinfreie Woche hat sich nicht wirklich ausgezahlt. Littlehales warnt von zu viel Koffein, da die Halbwertszeit dieses Stoffes ganze sechs Stunden beträgt. Das tägliche Limit von 400mg, das er mehrmals erwähnt, ist aber für mich ohnehin eines, von dem ich weit entfernt bin.

Die Blaulicht-Filter am Handy und am Laptop sind sicherlich sinnvoll und einfach viel angenehmer fürs Auge, wenn man am Abend viel Zeit mit seinen technischen Apparaturen verbringt.

Der Versuch, ein Seitenschläfer mit Überzeugung zu werden, ist nach wie vor ein Versuch. Littlehales beschreibt, dass Bauchschläfer durch das Verdrehen des Kopfes meist an Nackenschmerzen leiden, während Rückenschläfer anfällig für Schnarchen und Schlaf-Apnoe sind und darüber hinaus diese letztere offene Position nicht im gleichen Maße Entspannung zulässt wie das seitliche (auf der nicht dominanten Seite) Schlafen in Fötushaltung, die natürlichste Position, in der wir zusätzlich unsere Weichteile und Organe nicht so sehr exponieren, wie beim Rücken-Schlafen.

Nasenpflaster – so weiß ich nun – helfen tatsächlich dabei besser Luft zu bekommen. Ich dachte immer, dass diese irgendwelche ätherische Öle absondern, die dann zu besserer Atmung führen, aber nein, die Wirkung ist rein mechanisch. Die Dinger ziehen dir einfach die Nasenflügel auseinander, womit das einzuatmende Luft-Volumen größer wird. – Sehr angenehm.

Die Veränderungen im Schlafzimmer waren ebenfalls sehr förderlich. Das Schlafzimmer nur noch als private Schlafhöhle, wie ich sie nun nenne, zu verstehen, macht wirklich einen Unterschied aus. Bettzeug öfter wechseln, häufiger sauber machen, für erfrischende Kühle und gute Luft sowie für absolute Dunkelheit sorgen (Mein erster Versuch dorthin ging leider in die Hose. Ich versuchte mich an einem Müllsäcke-Vorhang, den ich mit Isolierband an der Tapete über dem Fenster anbrachte. Als ich den Vorhang wieder entfernte, hatte ich die halbe Schlafzimmer-Tapete in den Händen. – Mein Vermieter weiß noch nichts davon … Und liest hoffentlich meinen Blog nicht!) und weitere Kleinigkeiten konnten meine Schlafqualität – so scheint es mir – tatsächlich verbessern.
 

Resümee …

 
Mein großes Ziel habe ich nicht erreicht, dennoch aber ein paar Änderungen vorgenommen, die sich auszahlten.

Mir gefällt der Ansatz des Buches, eine große qualitative Veränderung durch kleine Schritte zu erreichen. Denn die Anpassungen, die man vornimmt, sind keine harten Eingriffe, wie man sie zum Beispiel von so mancher Diät kennt.

Der Autor übertreibt sicherlich ein wenig, wenn er von sieben Mal sieben Tipps spricht, die man Tag für Tag umsetzen kann, um dann nach sieben Wochen perfekt zu schlafen. Vor allem wenn viele der Tipps eher selbstredend sind, ohne große Veränderungen nach sich zu ziehen. (So zum Beispiel: „Lernen Sie, in Harmonie mit Ihrem Partner zu leben, auch wenn Sie verschiedene Chronotypen sind.“ oder „Kaufen Sie nicht blind! Nutzen Sie die Kenntnisse des Verkaufspersonals, um alles über das verfügbare Sortiment zu erfahren.“)

Das sechste Kapitel über das perfekte Bett war sehr informativ und die anfängliche Übermotivation (kommt bei mir meist vor, wenn mich ein neues Thema voll einnimmt) führte mich dazu, mir sofort im Internet mein persönliches “Sleep-Kit” zusammenzustellen, das ich letzten Endes aber doch nicht bestellte. Die passende Schlafunterlage ist sicherlich ein weiterer Marginal-Gain, der entscheidend sein kann, Littlehales gibt aber auch hier hilfreiche praktische Tipps, die sich nicht automatisch im Kauf seines Produkts niederschlagen müssen.

Die Lektüre des Buches ist auf jeden Fall sinnvoll, um den Prozess, der ein Drittel unseres Lebens ausmacht, besser zu begreifen und ihn gewinnbringend anzupassen. Neue Betrachtungsweisen wie die der Schlafzyklen an Stelle der Schlafstunden sowie der Fokus auf die Schlafmenge in einer Woche anstatt jenem auf die einzelne Nacht, machen durchaus Sinn. (Littlehales schreibt übrigens kein strenges wöchentliches Schlafpensum vor. Der Durchschnittswert liegt irgendwo bei 35 Zyklen pro Woche aber auch das soll man selber rausfinden. Mein Pensum scheint – nach vier Wochen Selbsttest – irgendwo bei 40 Zyklen zu liegen.)

Darüber hinaus liest sich das Buch ganz angenehm und schnell. Littlehales Ghostwriter – für diese Unterstützung bekommt er von mir Abzüge auf der Sympathieskala – hat gute Arbeit geleistet.
 

Die “österreichische Gemütlichkeit”

 
Ich verstehe den Selbstoptimierungs-Gegner-Kollegen ja sogar ein bisschen.

Er war zeitlebens nie ein Kind von Traurigkeit.

Ein „Gmiadlicha“ – wie wir Österreicher sagen.

Vielleicht hat er schlechte Erfahrungen mit dem ein oder anderen Selbstoptimierungs-Typen gemacht.

Vielleicht nimmt er es ihnen übel, weil sie kein Bier mit ihm trinken wollten.

Und vielleicht ist das wiederum der Grund, weshalb er von ihrer Lebensart nichts hält.

– Vielleicht rede ich aber auch nur Bullshit …

Ich persönlich habe nichts gegen Selbstoptimierung, wie man sieht.

Klar sollte man sich vor Extremen auch immer ein wenig hüten.

Klar sollte man – wenn man darauf steht, sich persönlich weiterzuentwickeln – versuchen, gleichzeitig kein asoziales Arschloch zu werden.

Doch die Tendenz zum Extrem sehe ich viel positiver als die Meisten.

Große Dinge kann nur erreichen, wer sich dem Extrem nähert. Sei es ein Extrem an körperlicher Ertüchtigung, an Arbeit am eigenen Talent, an Lernstunden für die Ausbildung, an Liebe-Geben, an Geduld-Üben oder was auch immer.

Und was ist schöner im Leben, was bringt intensivere Glücksgefühle, als etwas Großes, dem man Stunden an Fleiß, Schweiß und Tränen opferte, letztendlich zu erreichen?
 
 
 
Bist du eine Nachteule oder ein Early-Bird? Wie wichtig ist Schlaf für dich? Was hältst du von Selbstoptimierung? Wo ist die Grenze zwischen einem gesunden strebsamen Leben und extremer Getriebenheit? Hast du ein Abend- oder Morgenritual? Auf wieviele Zyklen Schlaf kommst du pro Woche? Hat dich mein Artikel dazu motiviert, deine Routine ein wenig zu verändern?
 
 
 
Willst du “Sleep” nun selber lesen, um noch weitere Details zu erfahren und deinen Schlaf zu optimieren, dann wäre ich dir sehr dankbar, wenn du dir das Buch über den gekennzeichneten (*) Amazon-Affiliate-Link am Ende dieses Beitrags holst. Der Preis bleibt der gleiche für dich, während ich eine kleine Provision (im Cent-Bereich) für meine Arbeit am Gedankennomanden bekomme.

Vielen Dank!
 
besser schlafen
Foto: Michael Green
 
Blogartikel veröffentlicht am 16.11.2018
 
 
 
Sleep: Schlafen wie die Profis – Das Buch vom Schlaf-Coach internationaler Spitzensportler – (*)
 

2 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Elijah Micaelson

    Lieber Philipp,

    Erst einmal gratuliere zu dem sehr gelungenen Artikel! Hab ihn geradezu verschlungen, weil er mir sehr zugesagt hat und ich mich unter anderen in letzter Zeit ebenfalls viel mit dem Thema auseinandergesetzt habe!
    Ich denke es ist wahrscheinlich die wichtigste Optimierung im Leben eines jeden Menschen, da wie du so schön geschrieben hast, “wir ein Drittel unseres Lebens verpennen”. Es ist die wichtigste Zeit um zu regenerieren und die Reize des gesamten Tages zu verarbeiten.
    Denke, dass es sehr wichtig ist sich mit dem Thema “Selbstoptimierung” auseinander zu setzen und ich kenne das Gefühl das du beschrieben hast, mit deinem Kollegen der seine Biere als Regeneration braucht und nicht über den Tellerrand hinaus blicken kann, nur allzu gut!
    Ich denke man sollte diese Personen definitiv darauf aufmerksam machen und ihnen einen deiner wertvollen Gedanken schenken, doch nicht mehr als einen. Denn diese Leute sind im Normalfall beratungsresistent und ändern sich nur, wenn ihnen selbst irgendwann ein Licht aufgeht…

    Wie schaut dein Mentaltraining Abends aus? Machst du dein Dehnprogramm immer nur Abends? Was hast du für eine Matratze?

    Gruß Elijah

    • von Gedankennomade

      Lieber Elijah,
      Vielen Dank für das Lob. Freut mich, wenn dir der Artikel gefällt.
      Inwiefern hast du dich denn mit dem Schlaf auseinandergesetzt? Gäbe ja noch sehr viele interessante Bücher zu diesem Thema!
      Sehr richtig, was du sagst. Wenn man Menschen, die zum Beispiel ungesund leben, zu oft auf das hinweist, was sie “falsch” machen, schalten sie erst recht auf stur. Man muss hier sehr vorsichtig sein. Ich bin prinzipiell eh keiner, der andere missioniert, erkläre ihnen aber natürlich schon meine Grundsätze und Sichtweisen, wenn sie danach fragen.
      Ich arbeite seit einem Jahr mit einem Mentaltrainer zusammen und habe bereits viel gelernt und verändert. Es ist definitiv sinnvoll und das Gebiet fasziniert mich so sehr, dass ich den Beruf Mentaltrainer mittlerweile als möglichen Job für nach der Karriere sehe. Wie es genau aussieht … Das ist mir ein bisschen zu persönlich beziehungsweise verrate ich da prinzipiell nicht alles. Aber es geht vor allem um Affirmationen, um das Umprogrammieren des eigenen Denkens und das Ausschöpfen der Kraft der Gedanken.
      Zuhause dehne ich am liebsten vorm Schlafen-Gehen, ja. Dazu kommt das Dehnen nach jeder Kraft- oder Balleinheit. Habe leider viel zu spät damit angefangen und erst mit Ende 20 gecheckt, wie wichtig Beweglichkeit in meinem Sport ist. Es ist aber tatsächlich sehr hart und langwierig, hier Fortschritte zu machen. Einen Bizeps oder Pectoralis aufzublasen ist viel einfacher, als einen Muskel auf Dauer in die Länge zu ziehen. Zumindest für mich.
      Meine Matratze hier ist nichts besonderes aber von der Härte her ganz okay. Lieber zu hart als zu weich. Auch dazu schreibt Littlehales sehr viel. Dass vieles in der Matratzen- und Bettenindustrie völliger Bullshit ist, manche Modelle um Tausende Euros verkauft werden und als “Wunderbetten” angepriesen werden, obwohl sie allen Prinzipien eines guten Bettes widersprechen …
      Einen schönen Abend wünsche ich noch,
      bis bald,
      Philipp

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