Bücher für die Quarantäne

Wann lesen, wenn nicht jetzt?

Die Welt steht still. Die Gedanken rasen. Bei den meisten zumindest.

Es ist eine neue Situation für uns alle. Eine, in der wir im Moment zum Zuschauen verdammt sind.

Ich sitze hier alleine meine 14-tägige Heimquarantäne ab.

Weiß ich, wie lange ich danach mit meinem Bruder und meinen Eltern zuhause sein werde? – Nein.

Weiß ich, ob ich die restlichen Gehälter von meinem Verein bekomme? – Nein.

Weiß ich, wie lange das alles dauern wird? – Nein.

Weiß ich, ob ich danach noch Volleyballer sein werde? – Nein.

Im Moment weiß ich nur eins – dass ich meinen Geist und meinen Körper weiter fit halten will. Vor allem zum Lesen hatte ich bereits viel Zeit und Muße und ich denke, dass ich da nicht alleine bin. Es folgt ein Stapel Bücher für die Quarantäne. Meine Lektüre der letzten Wochen. Ich hoffe, du findest etwas für dich!

Non-Fiction

„Homo Deus“ – Yuval Noah Harari

Der eigentliche Auslöser für diesen Artikel. Hätte sich eigentlich mehrere Seiten verdient. Mir gefiel Hararis „Kurze Geschichte der Menschheit“ schon ganz gut. Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen hat mich jedoch so richtig gefesselt. Harari analysiert den Stand der Computerwissenschaften, zeigt durch historische Analysen und psychologische Studien, was der Mensch (wahrscheinlich) ist und was er (wahrscheinlich) nicht ist und wohin das in Zukunft führen könnte. Seine Zukunft-Szenarien sind mitreißend und gleichzeitig furchteinflößend. Die 600 Seiten hatte ich in drei Tagen durch. Auf jeder zweiten davon habe ich einzelne Sätze oder ganze Passagen unterstrichen. Bei Büchern wie diesen frage ich mich immer, wieviel ein solcher Autor gelesen, wie lange er gelernt und studiert und wie viele Monate er an solch einem Werk geschrieben haben muss. Das umfassende Wissen und die Verknüpfung verschiedenster Teilgebiete davon ist einfach nur atemberaubend.

Für dich wenn: Du geschichtlich und gesamtwissenschaftlich interessiert bist und wissen willst, wie unsere Welt in ein paar Jahrzehnten (ganz anders!) aussehen könnte.

„Atomic Habits“ – James Clear

Zur Zeit in aller Munde. „Ein einfacher und nachgewiesener Weg um gute Gewohnheiten aufzubauen und schlechte loszuwerden“ steht am Cover der englischen Originalausgabe (natürlich nicht auf Deutsch). Ich erwartete mir Unmengen an kleinen genialen Tipps und Tricks, um meinen Tag besser zu nutzen und produktiver zu werden. Indem man zum Beispiel jeden Morgen den Wecker zwei Minuten früher läuten lässt um irgendwann ein Frühaufsteher zu sein. Oder indem man nur noch kleine Teller verwendet beim Essen, um den Kalorien-Input zu reduzieren.
Zwar kommen diese Tipps so oder so ähnlich vor, im Vordergrund steht aber ein durchdachtes und mit viel Geschichten, Erfahrungen und Studien hinterlegtes systematisches Programm, um Schritt für Schritt seine Karriere, seine Beziehungen und sein Leben zu verändern.
Es geht nicht darum, einen eisernen Willen zu haben, um jeden Tag Sport zu treiben oder zum Rauchen aufzuhören. Es geht viel mehr darum, sich selbst auszutricksen und so auf den „richtigen“ Weg zu kommen.
Die Lektüre von Atomic Habits: An Easy & Proven Way to Build Good Habits & Break Bad Ones ist vor allem eines: motivierend.

Für dich wenn: Du durch Tricks Gewohnheiten in dein Leben integrieren willst, die dich weiterbringen und solche eliminieren möchtest, die schlecht für dich sind.

„Erkenne die Welt“ + „Erkenne dich selbst“ – Richard David Precht

Den momentan bekanntesten deutschen Philosophen, Herrn Richard David Precht, habe ich ja schon mehrmals erwähnt.
Vor gut zwei Monaten blieb ich wieder einmal auf Youtube hängen. Okay, das passiert mir fast jeden Tag. Genauer: Ich blieb bei einem Vortrag von Precht hängen. Ich binchte weitere Precht-Videos, schließlich wollte ich endlich auch mal was lesen von ihm. Die Auswahl an Büchern ist mittlerweile riesig. Ich entschied mich für seine Geschichte der Philosophie weil ich an Russells „Philosophie des Abendlandes“ bereits zweimal gescheitert war und ich mir dachte, dass Precht in seiner Philosophiegeschichte sicherlich vor allem eines gelingt: Die Entwicklung des Denkens vom Altertum bis heute spielend einfach und lesbar zusammenzufassen, um gleichzeitig Ausflüge in die Gegenwart zu machen.
Letzteres ist leider nicht unbedingt seine Hauptintention und hätte ich gern öfters gesehen. Dennoch hatte ich Erkenne die Welt: Geschichte der Philosophie 1 und Erkenne dich selbst: Geschichte der Philosophie 2 sehr schnell durch und war nicht enttäuscht. Bedauerlicherweise ist die erste Phase der Philosophie – aus meiner Sicht – auch die langweiligste. Von den Vorsokratikern sind großteils nur Fragmente erhalten und seitenlang über die eventuelle Bedeutung von diesen zu diskutieren, erschien mir dann doch etwas langatmig, um nicht zu sagen mühsam. Ab Sokrates und Platon nimmt die Geschichte dann aber an Fahrt auf und spätesten am Anfang von Band 2 war ich so richtig gefangen. (Man kann übrigens auch gleich mit dem zweiten Teil beginnen!) Teil 3 ist bereits auf meinem E-Reader.

Für dich wenn: Du daran interessiert bist, worüber sich Menschen in den letzten 2500 Jahren den Kopf zerbrachen, welche Entwicklung die geistigen Verrenkungen im Laufe der Jahrhunderte nahmen und was das für die Menschen damals und heute bedeutet(e).

„Der ewige Bestseller“ – Ryan Holiday

In den letzten Monaten nahm ich immer wieder einmal Bücher über das Schreiben zur Hand. Ryan Holidays Perennial Seller: The Art of Making and Marketing Work that Lasts ist zwar kein klassischer Schreibratgeber, wird Jungautoren aber trotzdem oft empfohlen. Holiday machte es sich zur Aufgabe herauszufinden, was Produkte, die sich über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte verkaufen, auszeichnet. Dabei geht es eben um Bücher, aber auch um Musik-Alben und um Business-Ideen.

Für dich wenn: Du ein sehr gut geschriebenes, inspirierendes Buch lesen willst, um etwas Bleibendes zu schaffen.

„The Art of People“ – Dave Kerpen

Kerpens Buch gilt als die moderne Version des Klassikers „How to Win Friends and Influence People” von Dale Carnegie, ein Buch von dessen Titel ich begeistert, von dessen Inhalt ich aber enttäuscht war.
The Art of People: The 11 Simple People Skills That Will Get You Everything You Want behandelt viele von Carnegies Ideen auf moderne Art. Wie führt man bessere Gespräche mit Menschen, an die man nicht herankommt? Wie wird man zu einem besseren Leader? Wie vergrößert man sein Netzwerk und warum ist das überhaupt wichtig?
„The Art of People“ behandelt alle diese Fragen kurz und bündig, das Buch liest sich wirklich leicht und hat mir interessanten Input gegeben.

Für dich wenn: Du zu einem besseren Chef, Unternehmer oder einfach auch nur Freund werden willst.

18 Tipps um zum Leser, Denker und Schreiber zu werden

Ficton:

„Wunschloses Unglück“ – Peter Handke

Handke war Ende 2019 in aller Munde. Ihm wurde der Literaturnobelpreis verliehen, ein fürchterlicher Aufschrei folgte. Auf die Details will und kann ich nicht eingehen, man müsste unter anderem die Diskussion ausbreiten, ob man das Werk vom Künstler trennen kann oder nicht, wofür mir hier der Platz fehlt.
Wunschloses Unglück: Erzählung (suhrkamp taschenbuch) ist ein Klassiker. Ein dünnes Buch über das Leben seiner Mutter, die den Freitod wählte. Wer Handke kennenlernen will, liegt hier sicher richtig. Die Art, wie er das Leben der Mutter beschreibt, schwingt lange nach. Der duktus ist distanziert aber doch akribisch genau. Der einfach so dahingeworfene und aus dem Nichts kommende Satz: „Ohne sein Wissen trieb sie sich mit einer Nadel ein Kind ab.“ wird mir noch lange im Kopf herumspuken. Auch handwerklich fand ich die Geschichte interessant. Handke schafft es, ein ganzes Leben kurz, bündig und auf den Punkt gebracht in ein kleines Büchlein zu zwängen.

Für dich wenn: Du den umstrittenen österreichischen Autor und Literaturnobelpreisträger Peter Handke kennenlernen oder ein kurzes Buch lesen willst, dass emotionale Spuren hinterlässt.

„Die Möwe“ – Sándor Márai

Von Márai habe ich ja schon öfters geschwärmt. Diese kurze Geschichte handelt von der Begegnung eines ungarischen Ministerialbeamten und einer geheimnisvollen jungen Frau.
Márai begeistert mich in erster Linie durch seine melancholische Sprache und den mysteriösen Schleier, den er über seine Welten legt. So waren es auch in diesem Buch mehr einzelne Sätze, die mich fesselten, und weniger die Geschichte als Ganzes.

„Ein Mensch kann einen anderen Menschen dadurch vernichten, dass er ihn nicht loslässt, ihn aber auch nicht ganz zu sich lässt, ihn an sich bindet und der Welt nicht zurückgibt, ihn aber zugleich nicht nah an sich heranlässt, keinerlei Bund mit ihm schließt. Wer so ausgewählt und von der Welt getrennt wird, geht zugrunde. Denn er bleibt allein und ist doch nicht ganz allein, weil er in einer Art Gefangenschaft lebt, aber der Sklavenhalter kümmert sich nicht um ihn…“

Seite 56

Márais Bücher Die Glut: Roman und „Das Vermächtnis der Eszter“ sind aber sicherlich besser als „Die Möwe“.

Für dich wenn: Du noch nichts von dem großartigen Sándor Márai gelesen hast und an Literatur vor allem abstrakte Gedanken und treffende Formulierungen schätzt.

„Der Prozess“ – Franz Kafka

Wo ich den Klassiker ausgegraben habe? – Er war ein Gratis-Ebook auf meinem neuen E-Reader. 😊 Ich sollte Der Process (Reclams Universal-Bibliothek) in der Schule lesen. Tat ich aber nicht. Der Beginn war mir zu eigenartig. Eigenartig war er auch bei dieser Lektüre wieder. Als Ganzes. „Kafkaesk“ wurde nicht umsonst als eigenes Wort kreiert, um Kafkas Texte zu beschreiben. Dieses Spiel mit dem Protagonisten – und somit mit dem Leser – , der nicht weiß, wie ihm geschieht und weshalb er angeklagt ist, machte mir anfangs Spaß, wurde mir dann aber doch etwas mühsam. Das Ende fand ich wiederum krass und nachhallend.

Für dich wenn: Du einen absoluten Literatur-Klassiker lesen, etwas in die Irre getrieben werden oder einfach nur einmal das Wort „kafkaesk“ besser verstehen willst.

Willst du eines der Bücher nun selber lesen, dann wäre ich dir sehr dankbar, wenn du es dir über den gekennzeichneten (*) Amazon-Affiliate-Link am Ende dieses Beitrags holst. Der Preis bleibt der gleiche für dich, während ich eine kleine Provision (im Cent-Bereich) für meine Arbeit am Gedankennomanden bekomme.

Vielen Dank!

Bücher für die Quarantäne. Lesen. Zuhause. Lernen.

Foto: Thought Catalo

Blogartikel veröffentlicht am: 30.3.2020

Quellen:

  • Márai, Sándorv(2008): Die Möwe. München: Piper.

Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen (*)

Atomic Habits: An Easy & Proven Way to Build Good Habits & Break Bad Ones (*)

Erkenne die Welt: Geschichte der Philosophie 1 (*)

Erkenne dich selbst: Geschichte der Philosophie 2 (*)

Perennial Seller: The Art of Making and Marketing Work that Lasts (*)

The Art of People: The 11 Simple People Skills That Will Get You Everything You Want (*)

Wunschloses Unglück: Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (*)

Der Process (Reclams Universal-Bibliothek) (*)

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