Michel de Montaignes “Essais”

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Selbstverliebtheit und Sterben …

 
Wer war dieser Michel de Montaigne?

Ein Franzose des 16. Jahrhunderts (1533-1592), der solch eindrucksvolle Gedanken hinterließ, dass man sie noch heute, über 400 Jahre später, liest und studiert.

In der Philosophie und der Literatur wird Montaigne an vielen Stellen mit lobenden Worten überhäuft.

So wurde auch ich neugierig, las Die Essais. by Michel de Montaigne (*) und werde euch im Folgenden – wie letzte Woche versprochen – meine Schlüsse unterbreiten.
 

Zuerst die Arbeit dann die Muße …

 
Montaignes Werk besteht aus einer Sammlung von 107 Essais in drei Büchern. „Essai“ bedeutet „Versuch“ und als solche Versuche verstand Montaigne seine Texte auch. Versuche der uneingeschränkten, zu tiefst ehrlichen Selbstbeobachtung aber auch der Beobachtung der Umwelt und der Mitmenschen. Er wollte die großen Fragen „Was ist am Menschen das Menschliche“ und „Wie sind die Menschen wirklich“ (vgl. Franz 2016: 3) stellen und durch schriftliche Reflexion mögliche Antworten finden.

Montaigne entstammt einer wohlhabenden Familie, genießt eine umfangreiche humanistische Bildung und führt zuerst ein Dasein, in dem er juristische und politische Ämter innehat.

Mit 37 Jahren beginnt die zweite Phase seines Lebens. Er zieht sich auf sein Schlösschen zurück und beginnt mit den Essais. 22 Jahre wird er an ihnen arbeiten und ihnen seine volle Aufmerksamkeit widmen. Immer wieder einmal unterbrochen von Reisen, die er liebte, und politischen Zwischenspielen (Bürgermeister von Bordeaux), die er doch auch nie ganz aufgab.
 

Wie sieht so einer von Montaignes Essais genau aus?

 
Montaigne schreibt in seinen Essais über alles, was uns beschäftigt, uns Angst oder Freude bereitet, uns aufregt, uns zum Nachdenken anregt. Über alles, was uns menschlich macht.

Und er tut dies auf eine sehr legere und ungezwungene Art und Weise. Die für das Schriftliche systematische und rhetorisch-strenge Behandlung von Problemen, wie sie zu seiner Zeit üblich ist, liegt ihm fremd. Montaigne lässt sich ganz einfach von seinen Überlegungen und Eingebungen leiten. Der Titel so manches Essais ist meist insgesamt nicht sehr aussagekräftig, wird auf ihn im Text selbst oft nur kurz eingegangen. Montaigne schweift ab und lässt seinen Gedanken freien Lauf ohne sie zu zügeln.

Für ihn steht die Einzeltatsache oder oft auch die einzelne Handlung im Mittelpunkt. Dem Verstand, der zu Verallgemeinerungen neigt, steht er skeptisch gegenüber.

Dennoch wägt er ab, prüft beide Seiten einer Tatsache oder einer Meinung, kommt so zu neuen Schlüssen und wägt auch diese wieder ab und so weiter und so fort …
 

Über den Tod …

 
Über die Gesamtheit der Essais zu sprechen, ist nur dann möglich, wenn man ihre Form und Montaignes Methode näher beleuchtet.

Inhaltlich hingegen muss man sich – der riesigen Fülle geschuldet – auf einzelne Themen beschränken, will man die Essais besser kennenlernen.

Ich habe daher ein Thema gewählt, das immer wiederkehrt, ich spannend fand und über das Montaigne wahrlich interessante Ansichten hat.

Es handelt sich um den Tod.
 

“Philosophieren heißt sterben lernen“

 
So lautet der Titel jenes Essais (Buch 1, Kapitel 19), den ich mitunter am eindrucksvollsten fand.

In ihm – aber auch in vielen anderen – geht es also um den Tod;

Schon in den ersten Absätzen nennt Montaigne es „tierischen Stumpfsinn“ (Montaigne 2016: 52) nicht an den Tod zu denken obwohl er unüberwindbar das „Ziel unseres Lebenslaufes“ (Montaigne 2016: 52) sei.

Denn er selbst spricht sich dafür aus, den Tod ständig im Kopf zu haben, um sich so an ihn zu gewöhnen und ihm seine Fremdartigkeit zu nehmen. Man soll sich den Tod in der Phantasie ausmalen und wenn ein Ziegel vom Dach fällt oder ein Pferd stolpert sich bewusst vorsagen, dass er dies nun durchaus hätte sein können. Und er verweist (einer seiner klassischen, stets wiederkehrenden Verweise auf ältere Kulturen) auf die Ägypter, die am Höhepunkt eines Festes als Mahnung für die Gäste ein Menschengerippe herbeitragen ließen (vgl. Montaigne 2016: 54 f.).

Sterbenkönnen befreit uns von aller Knechtschaft, von allem Zwang.
(Montaigne 2016: 54)
… folgert er weiter und vertraut dem Leser an, dass er schon im Jugendalter den Todesgedanken in seinem Kopf herumtrug und er nie diese unreflektierte Lebenssicherheit von anderen teilte (vgl. Montaigne 2016: 54 f.).

Dass Montaigne selbst mit dem Tod seinen Frieden gefunden hat, zeigt eine Passage, in der auch seine Heiterkeit und sein Humor zum Ausdruck kommt:

… ich habe nichts dagegen, daß der Tod mich bei der Gartenarbeit überrascht, aber er soll mich nicht schrecken; und noch weniger soll es mich traurig machen, daß ich mit dem Garten nicht fertig geworden bin …
(Montaigne 2016: 57 f.)

Er beschreibt sodann den Prozess des Alterns näher und sieht im Erlöschen der Jugend einen härteren Tod, als im wahren Dahinscheiden:

Ist doch der Sprung vom Elend ins Nichtssein nicht so hart wie der von der blühenden Jugendkraft in ein schmerzensreiches, kümmerliches Altern.“
(Montaigne 2016: 59)

Gegen Ende des Essais verliert er dann noch einige schöne Sätze über die Nichtigkeit unseres Daseins und die Gleichgültigkeit dem Tode gegenüber, egal wie das Leben selbst aussah;

„Wenn ihr das Leben genutzt habt, könnt ihr gesättigt und befriedigt scheiden. Und wenn ihr nichts damit habt anfangen können, wenn ihr es nutzlos vertan habt, da kann es euch doch erst recht gleichgültig sein, wenn es weg ist; was wollt ihr denn noch damit?“
(Montaigne 2016: 60 f.)

Und schließlich spricht Montaigne mit der Stimme der Natur zum Leser, um den Essai zu beenden:

„In der Tat, du brauchst dir nur zu überlegen, wieviel härter und unerträglicher ein Leben, das nie ein Ende nähme, für die Menschen sein müßte, als das Leben ist, das ich ihnen gegeben habe. Hättet ihr den Tod nicht, so würdet ihr mich dauernd verfluchen, daß ich ihn euch vorenthalten hätte: ich habe dem Tod absichtlich einen etwas bitteren Geschmack gegeben, damit ihr nicht zu gierig und unbesonnen nach ihm greift, wenn ihr seht, wie einfach durch ihn alles erledigt wird. … Warum fürchtest du deinen letzten Tag? Er ist kein größerer Schritt zu deinem Tode als alle anderen Tage: die Müdigkeit wird nicht durch den letzten Schritt verursacht; sie wird nur sichtbar bei ihm. Alle Tag wandern wir zum Tode; am letzten Tag kommen wir am Ziel an. So lauten die guten Lehrern unserer Mutter Natur. …“
(Montaigne 2016: 62)
 
[Hauptgoodie]

Und wie wirkt das alles nun auf den Leser?

 
Oder besser: Wie wirkte das alles nun auf mich …

Zuerst muss gesagt werden, dass ich nicht alle Essais vollständig durchgearbeitet habe. Ich habe die Reclam-Ausgabe gelesen, in der auf 375 Seiten viele der wichtigsten Essais aus allen drei Büchern abgedruckt und teilweise in den Essais selbst Passagen mit Längen ausgespart sind. Man darf nach dieser Lektüre also nicht behaupten, „die Essais von Montaigne vollständig gelesen zu haben“, bekommt aber durchaus ein ausreichendes Gesamtbild über die Form, die Methode und die wichtigsten Themen von diesen.

Für mich steht Montaigne mit den Essais zwischen einem Literaten und einem Philosophen. Weder ist er durchgehend darauf bedacht, sich möglichst poetisch auszudrücken, noch handelt er die philosophischen Fragen, auf die er stößt, streng systematisch ab. Beidem ist er sich bewusst und er spielt geschickt mit dieser Zwischenposition. Dennoch sehe ich ihn – ganz subjektiv – mehr als Literaten denn als Philosophen, was auch die Kategorienüberschrift “Literatur” dieses Blogartikels erklärt.

Bahnbrechend für die damalige Zeit war die uneingeschränkte Ehrlichkeit in der Analyse seiner selbst, die man auf fast jeder Seite entdecken kann.

Mir war diese manchmal zu viel des Guten.

Aber warum eigentlich?

In Wahrheit mache ich doch selbst mit dem Großteil meiner Zeit ähnliches wie Montaigne: Ich beobachte mich, ich denke über mich nach, ich analysiere mich …

Bin ich neidisch, weil er es besser kann?

– Vielleicht …

Find ich es selbstverliebt, was er tut?

– Teilweise kommt mir dieser Gedanke, ja. Allerdings wiederholt Montaigne mehrmals, dass er sich als Exempel statuieren möchte und es nun einmal in seiner Methode begründet liegt, sich selbst immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Er ist sich also bewusst, dass der Vorwurf der Selbstliebe aufkommen wird, doch ist er nicht mehr als die logische Konsequenz seines Vorhabens.

Von da her … Nein, die potenzielle Selbstverliebtheit des Autors, ist auch nicht das, was mich manchmal bei der Lektüre störte …

Vielmehr war es dieses Gefühl am Ende so manchen Essais ohne großen Erkenntnisgewinn dazustehen. Dieses Laufen-Lassen der Gedanken, dieses endlose Abwägen zwischen sich gegenüberstehenden Positionen und die Zurückhaltung vor Verallgemeinerungen erschweren es dem Leser, nach dem Abschließen eines Essais ein klares Resümee zu ziehen.

Klar liegt auch hier der Grund im Programm von Montaigne und gerade das „Misstrauen gegen unberechtigte Verallgemeinerungen“ (Franz 2016: 16) ist nirgendwo vor und nach ihm so ausgeprägt zu finden.
 

Was war da noch …?

 
Da waren viele Zitate gescheiter Menschen (Ovid, Horaz, Augustinus, …), die Montaigne in seinen Text einflocht. In der Reclam-Ausgabe sind sie allesamt auf Deutsch übersetzt, was natürlich die Lektüre ungemein erleichtert. Auf den ersten Blick mögen seine Essais also wie eine riesige Zitate-Sammlung wirken. Interpreten verweisen aber darauf, dass Montaigne sie auf sich bezogen und umgedeutet hätte.

Ja, das trifft sicher immer wieder einmal zu. Mir gefielen aber Montaignes eigene Gedanken stets besser als die Zitate, deren Platzierung ich manchmal nicht verstand oder ich gar überlas. Er hätte sich diesen Kunstgriff an vielen Stellen einfach ersparen können.

Irritierend war für mich auch die wiederholte Ablehnung Montaignes von extremen Gefühlen oder Leidenschaften. Er erinnert mich dabei etwas an Aristoteles, der in seiner Nikomachischen Ethik ebenfalls einen sehr rationalen, ja fast schon langweiligen Menschen als Ideal hinstellt. Auch wenn Montaigne sich scheut ein Ideal zu predigen, scheint er selbst solch ein in allen Bereichen „sauberer“ Zeitgenosse gewesen zu sein. Ganz im Unterschiede zu Jean-Jacques Rousseau übrigens, der mit seinen „Bekenntnissen“ einen weiteren Klassiker in der Literatur der Selbstbeobachtung lieferte, dort aber auch viel Schmutziges und Empörendes beschreibt (Wobei mir auch die Lektüre dieses Buches keine große Freude bereitete!).

Im Grunde schwinge ich aber auch immer noch zwischen den beiden Extremen des ruhigen Lebens des weisen Mannes, der sich den starken Leidenschaften entzieht, einerseits und dem aufregenden aber oft auch schmerzvollen Leben der Auf und Abs hin und her, einmal mehr das eine, einmal mehr das andere schätzend.

Ich muss also sagen, dass ich die Letküre der Essais NICHT durch und durch genossen habe. Ich habe sogar ziemlich lange gebraucht für das Reclam-Büchlein. Gefesselt hat es mich nur selten.

Sehr sympathisch fand ich allerdings, wie sehr Montaigne an der Wahrung seiner Unabhängigkeit in jeder Form, seiner Bindungslosigkeit interessiert war. Wie er an ihr arbeitete, wie er sie lebte und wie er über sie schrieb.

In diesem Bereich ist er auf jeden Fall ein Vorbild.

Ebenfalls sympathisch: Montaigne liebte das Reisen:

„Warum reise ich so gern? Wenn man mich danach fragt, so sage ich gewöhnlich: ich weiß, wovor ich flüchte, aber nicht, was mich erwartet.“
(Montaigne 2016: 332)

„Die Natur hat uns frei und beweglich in die Welt gesetzt; wir sperren uns selbst in bestimmte Beschränkungen ein.“
(Montaigne 2016: 332)

„Was mich beim Reisen belebt, ist, daß ich ohne bestimmten Zweck irgendwo anhalten und, was sich dort bietet, behaglich genießen kann.“
(Montaigne 2016: 338)

UNSERE Reise geht nächste Woche weiter.

 
 
 
Was hältst du von Montaignes Gedanken über den Tod? Sollen wir ihn wirklich stets vor Augen haben? Oder ist es gut, dass wir ihn verdrängen (können)? Hast du bereits den ein oder anderen Essai Montaignes gelesen? Wie wirkt ein Mensch auf dich, der sich so offen schriftlich durchleuchtet und die Ergebnisse seiner Reflexionen seinen Mitmenschen und der Nachwelt zur Verfügung stellt? Verrückt? Selbstverliebt? Schamlos?

Hinterlasse deine Gedanken in den Kommentaren oder schreibe mir.

Ich freue mich über jede einzelne Wortspende.
 
 
 
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Vielen Dank!
 
Montaignes Essais
Foto: John Sting

Blogartikel veröffentlicht am 14.3.2017

Quellen: de Montaigne, Michel (2016): Essais. Stuttgart: Reclam.

Franz, Arthur (2016): Einleitung. In: de Montaigne, Michel (2016): Essais. Stuttgart: Reclam.
 
 
 
Die Essais. by Michel de Montaigne (*)
 

4 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. von Erich

    Hallo Philipp,

    “Sterbenkönnen befreit uns von aller Knechtschaft, von allem Zwang.” Dieses Zitat gefällt mir sehr gut und ich denke es ist tatsächlich so, dass es einem Menschen die Schwere des Seins nehmen kann, wenn bei Eintritt der Unerträglichkeit der Tod ein Ausweg ist. Vermutlich sind jene Menschen, die den Tod nicht fürchten auch jene, die intensiver Leben. Mich faszinieren Extrembergsportler, die fernab jeder Zivilisation Berge begehen/klettern und den Tod als ständigen Wegbegleiter haben. Jede Route muss bewusst gewählt werden und dem eigenen Können gegenübergestellt werden, um überhaupt die Möglichkeit des Überlebens sicherzustellen. Jeder Schritt muss bewusst gesetzt werden, da jeder Fehltritt zum Absturz führen kann. Man muss seinen Körper unglaublich gut kennen, um zu wissen, wie weit man gehen kann und ab wann man umkehren muss.

    Ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken ist weit verbreitet, in Europa wohl mit noch stärkerer Ausprägung als im Rest der Welt. Dadurch sollen unangenehme Konsequenzen vermieden werden und zuletzt auch der Tod, obwohl das nicht geht und es für nichts eine Garantie gibt. Die Angst hält uns von schönen Erlebnissen ab und davor das Leben intensiv zu spüren.

    • von Gedankennomade

      Hallo Erich,

      Gerade dieses Zitat, das du anspricht, hat mich auch sehr an den Zen-Buddhismus erinnert. Dort heißt es, man muss am Meditationskissen sterben können, um Erleuchtung zu erfahren. Was ich so interpretiere, dass es uns unendliche Freiheit im Leben bringt, wenn wir akzeptieren, dass der Tod für uns alle kommen wird – oder noch mehr – ständig hinter jeder Ecke lauert.

      Ich habe leider keine Erfahrungen mit Bergsteigen und ich denke auch nicht, dass ich das jemals beginnen werde, aber ja, es ist schon sehr extrem was diese Menschen tun. Es ist wohl auch schwer solche Menschen zu verstehen, wenn man selbst diesen Kick nie gespürt hat, dem sie nachlaufen. Aber das ist ja in vielen Bereichen so, dass man von außerhalb die Angehörigen einer “Gruppe” nicht versteht, weshalb Menschen auch gern in ihrer eigenen Gruppe bleiben und sich nur dort wohlfühlen … (Oh, wie gut ich das kenne!)

      Das mit dem Sicherheitsdenken ist so ein Ding, das ich auch noch näher beleuchten möchte hier auf dieser Plattform. Wie weit sind “Sicherheitsvorkehrungen” in deinem Leben wichtig? Wo liegt bei dir die Grenze zwischen “noch vernünftig und nachvollziehbar” und “lächerlich weil übervorsichtig”?

      Ich danke dir für deine Gedanken, die mein Geschriebenes stets gut reflektieren, darüber hinausdenken und mir so Facetten klarer machen oder in Frage stellen.

      • von Erich

        In Gruppen ist man stärker, weshalb ja auch Tiere gerne Rudel bilden, um die Chance für das eigene Fortbestehen zu erhöhen. In der modernen Gesellschaft ist diese Notwendigkeit nicht mehr da und der Individualismus nimmt zu. Lebte man früher oft in Großfamilien zusammen, geht heute der Trend hin zu immer kleineren Wohneinheiten. Single Wohnungen werden immer stärker nachgefragt. Der Grund dafür ist sicher die immer geringer werdende wirtschaftliche Abhängigkeit von Partnern. Sich selbst zu verwirklichen wird zunehmend wichtiger. Ganz allein kann der Mensch dann aber auch nicht und die Gruppenbildung erfolgt heute in Form von Interessensgemeinschaften, sei es im Sport, kulturell oder ideologisch. Mein Empfinden ist, dass Gruppen insofern große Bedeutung haben, da der Mensch seinen Lebensweg bzw sein Weltbild bestätigt haben möchte. Es ist für mich auch verständlich, dass man sich unter Gleichgesinnten wohler fühlt. Auch diese Plattform führt Gleichgesinnte zusammen. Wichtig, aus meiner Sicht, ist es, dennoch für andere Denkweisen offen zu bleiben und Toleranz und Demut nicht zu verlieren.

        Sicherheitsvorkehrungen gibt es natürlich auch in meinem Leben. Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn ich gar keinen Euro an finanziellen Reserven hätte. Vergleichsweise treffe ich aber bestimmt sehr wenig Vorkehrungen, da es Sicherheit in meiner Welt nicht gibt. Ich beschäftige mich eher damit, wie ich das Optimum aus der Gegenwart herausholen kann und mein Blick in die Zukunft beschränkt sich meist auf die Wettervorhersage für das kommende Wochenende.

        Eine Grenze ziehe ich nicht. Für mich hat jeder Zugang seine Legitimation und letztendlich gibt es für jedes Handeln Konsequenzen in irgendeiner Form. Wer sehr vorsichtig ist, wird tendenziell nicht so viel erleben, wie der von mir beschriebene Extrembergsteiger. Der Extrembergsteiger auf der anderen Seite, wird im Alter, sofern er es überhaupt erreicht, möglicherweise weniger Materie zur Verfügung und den ein oder anderen abgefrorenen Körperteil.

  2. von Gedankennomade

    Warum bilden wir Gruppen? Da hast du gerade interessante Antworten gegeben. Vor allem die Bestätigung des Weltbildes haben zu wollen, finde ich besonders spannend. Und nicht auf der Hand liegend. Da könnte man gleich wieder weitermachen und sich fragen, was ein Weltbild eigentlich ist. Und wieviele Leute eines haben. Und wieviele Menschen es auch ausformulieren können. Wieviele es nicht ausformulieren können und dennoch ein klares Weltbild haben, auf das ihre Werte aufbauen, denen sie unhinterfragt folgen …

    Und ja, auch diese Plattform führt Gleichgesinnte zusammen. Es soll aber eine offene Plattform sein und keine, die sich gegen andere abgrenzt. Es wäre schön, wenn mir hier mal jemand so richtig widersprechen würde. Okay, vielleicht ist schön nicht das richtige Wort, weil Kritik nie ganz angenehm ist. Aber es wäre toll, weil man gerade durch Kritik weiterkommt und wächst und das Weiterkommen und Wachsen von mir und meinen Lesern ein ganz wichtiger dieses Blogs ist.

    Ja, da geht es mir ähnlich. Ein paar Euros auf der Bank sind auch für mich wichtig, um zumindest für ganz abrupte Schicksalsschläge oder extreme Veränderungen gewappnet zu sein.
    Mir auszurechnen, wieviel ich in 30 Jahren in meiner Pension eventuell verdienen würde, auf diese Idee käme ich aber nie im Leben … 😉

    Und zwischen dem sehr Vorsichtigen und dem Extrembergsteiger tendiere ich sicherlich mehr in Richtung Bergsteiger, Extremitätenverlust hin oder her.

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