Wie wird man ein Übermensch?

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Christian Zippels “Leider geil, fett & faul”

 
Lies dieses Buch und du wirst nur noch eiskalt duschen!

Lies dieses Buch und du hast keine Ausreden mehr!

Lies dieses Buch und du wirst zum Übermenschen!

Diese Feststellungen sind von mir und stehen nicht im Klappentext des Buches.

Dort findet man:

„Eine Offenbarung, die Körper und Geist zusammenschweißt.“,

„Die heißesten Zeilen, die meine Augen je geritten sind!“ und

„Das Buch sprengt jeden Rahmen.“

Auch das würde ich alles unterschreiben …
 

Who the fuck is Christian Zippel?

 
Ich würde diesen Typen wohl immer noch nicht kennen, hätte mir ein Mitspieler vor ein paar Monaten nicht seinen Facebook-Account ans Herz gelegt.

Dabei hatte ich einen sehr zwiespältigen Eindruck von diesem;

Ein Muskelprotz mit kahlgeschorenen Haaren sowie volltätowiertem Hals und einem Diktum in seinen Posts, das mir etwas zu extrem und zu sehr von oben herab war. Ich fand viele seiner Gedanken interessant, die Art, wie er sie präsentierte, eher abstoßend.

Mein Mitspieler drückte mir schließlich auch noch ein Buch von ihm in die Hand.

Ich nahm es mit nach Rumänien, dort lag es zwei Monate auf meinem Schreibtisch und strahlte mich unsympathisch-aufdringlich an mit seinem knallgelben Einband auf dem die schwarzen Lettern „Leider geil, fett & faul“ prangten.

Schließlich nahm ich es – auf Grund fehlendem alternativem Lesestoff – widerwillig doch zur Hand, begann in Abwehrhaltung zu lesen, legte sie nach wenigen Seiten ab, ließ mich von Zippel mitreißen und fraß schließlich dieses starke, extreme, augenöffnende, provozierende Buch in wenigen Tagen auf.
 

Christian Zippel is(t) …

 
… ja … was ist er eigentlich?

Im Moment ist er „verreist“, wenn man so will. Oder wenn man seinem Facebook-Account Glauben schenkt.

Er ist wohl wieder mal unterwegs, um an seine Grenzen zu gehen, um seinen Horizont zu erweitern, um zu wachsen und die Komfort-Zone zu verlassen.

Dinge, die er schon sein Leben lang lebt und „feiert“.

Leider geil, fett & faul: Warum uns der Körper auf den Geist geht und wie wir den Schweinehund zum Schoßhund machen (*) ist ein sehr subjektives Buch. Dennoch ist es keine Biografie sondern mehr eine Darlegung von Christian Zippels Weltbild, seiner Motivation und seines Verständnisses des Daseins.

Er gibt immer wieder einmal Einblicke in seine persönliche (Über-)Menschwerdung. So erzählt er, dass er bereits mit 13 Jahren begann, ALLES zu hinterfragen, nichts mehr ernst zu nehmen und gleichzeitig sowohl körperlich als auch geistig nach höherer Entwicklung zu streben.

Zippel ist nicht nur Verfasser etlicher Bücher im Kraftsportbereich sondern auch Doktor der Philosophie (seine Dissertation rosenrot – oder die Illusion der Wirklichkeit (*) scheint mir ebenso lesenswert), war Personal-Coach und Lebensberater und ja, ich frage mich, was er eigentlich jetzt im Moment gerade tut …
 

Wie wird man ein Übermensch?

 
Hier soll es aber um die 415 Seiten „Leider geil, fett und faul“ gehen, die es mir angetan haben.

Ein Buch, dass uns zuerst einen Spiegel vorhält. Den Spiegel einer Gesellschaft, in welcher der Mensch abstumpft und verweichlicht, weil er seinen Schweinehund nicht im Griff hat. In der die Masse für ihn denkt. In der er sich durch Konsum befriedigt und klein hält. In der er nicht lebt sondern bloß existiert.

Kennen wir alles von anderen Gesellschaftskritikern. Hat nicht der Zippel erfunden. Der Zippel ist aber so verdammt hart, direkt und extrem. Das hört sich bei ihm dann – gepaart mit viel intelligentem (Wort-)Witz – so an:
 

Es ist kein gutes Zeichen für eine Zivilisation, wenn sie zur Zuvielisation wird, wenn sie derart in Dekadenz versinkt und solche Luxusprobleme hat wie wir. Aber wie soll man auch entscheiden, mit welchem Wagen man die 500 Meter zur nächsten Fetty-Fort-Klinik überwinden will, um sich den Body pimpen zu lassen? Den Porsche oder Benz … Ach doch lieber den Hummer, es könnte ja plötzlich ein Erdbeben geben, die polierten Straßen der Gartenstadt platzen auf … und wer dann nicht gewappnet ist, ist selbst schuld.
Auch die Menschen, die nicht mit dem goldenen Stock im Allerwertesten geboren wurden, haben ihre eigene Form der Dekadenz etabliert, die dem einfachen Schweinehund genehm ist: Junk Food, Billigbier und Rudelbums. Wo man hinschaut, die gleichen Zeichen: Wir werden fett, faul, schwach, krank und geil.
(Zippel 2016: 90)
 
Oder so:
 
Viele haben Träume […] aber kaum jemand schafft es.
Vielen wollen nicht wirklich. Etwas zu wollen haben sie sich aberziehen lassen. Sie denken nur noch darüber nach und hören auf ihre Eltern: „Das heißt nicht ‚Ich will‘ sondern ‚Ich möchte‘“, und so wurden wir zu einer Möchte-Gern-Gesellschaft. Zu einer mausgrauen Möchtegern-Massengesellschaft, in der alle Ecken abgerundet werden, damit sich niemand verletzt, und sich alle in den Armen liegen, um sich gegenseitig in die Taschen zu greifen und zu verhindern, dass jemand aus der Reihe tanzt.
Die Triebe werden abgetötet bzw. verdrängt, anstatt ihre Kraft zu nutzen und sie zu sublimieren, zu veredeln …
(Zippel 2016: 93)
 

Triebe, Geist und Körper

 
Stichwort Triebe … Sie sind für Zippel die treibende Kraft in uns. Die rohe Kraft in uns, die zum Leben drängt. Der moderne Mensch ist ihnen entweder dumpf erlegen oder versucht sie auszurotten, anstatt ihr endloses Potenzial zu nutzen indem er sie bändigt, veredelt und kultiviert (was übrigens das Ziel des Buches ist).

Der Trieb – der hier von mir stark verkürzt erklärt wurde – zieht sich durchs ganze Buch. Zippel nähert ihm sich auf verschiedene Weisen. So zum Beispiel schulphilosophisch indem er ihn im Konzept eines Pantheismus in der Manifestation der Kraft zum Gott erklärt (vgl. Zippel 2016: 259) aber auch anthropologisch indem er ihn im „Team Mensch“ im Dreigespann mit dem Geist und dem Körper zusammenbringt;
 

Selbstbewusstsein ist die Summe aus Geistbewusstsein, Körperbewusstsein und Triebbewusstsein. Die letzten beiden sind schwach in unseren Breiten, da wir vornehmlich mit dem Kopf arbeiten. Körper und Trieb verdrängen wir, weshalb unser Selbstbewusstsein – und mag das Ego noch so groß scheinen – unvollständig und schwach ist. Dabei ist Selbstbewusstsein unabdingbar zur Selbstverwirklichung. Wer nicht weiß, wer er ist, wie soll der sich verwirklichen?
(Zippel 2016: 29)
 

Der Hedonist, der Asket und der Weise

 
Für Zippel sind wir Menschen also dreierlei: Trieb, Geist und Körper. Diese drei Ströme vermischen sich in uns zu reißenden Gewässern und führen so – unkontrolliert wie bei den meisten – zum Chaos.

Im HEDONISTEN, dem Massen- und Lustmensch, wird der innere Schweinehund schön gefüttert. Er faulenzt, feiert, frisst und fickt. Der Geist ist schwach und hat die Kontrolle verloren, der Körper leidet. Eigentlich will der Schweinehund aber „nur Gutes und Natürliches: Selbsterhalt (Faulenzen & Fressen) und Arterhalt (Ficken). Doch die Bedingungen haben sich geändert. Wir sind zivilisiert und industrialisiert. Doch das weiß er nicht. Er weiß nicht, dass sein ungezügeltes Verhalten heute eher nach unten in die Gosse und unter die Erde führt, statt nach oben – wo er eigentlich hin will.“ (Zippel 2016: 25)

Der ASKET hingegen begeht einen anderen Fehler. Er ist ganz Geist und kontrolliert zwar den Schweinehund, verachtet aber alles Körperliche. Indem er die Triebe abtötet, verliert er das Spielerische und Ästhetische. „Der Geist kommt an die Macht, doch der Mensch wird knochig, spießig und grau. War es früher der Klerus, so sind es heute die Kopf- und Karriere-Menschen, die nur in Gedanken leben und eingebildeten Schein-Werten hinterherjagen.“ (Zippel 2016: 25)

Lediglich der WEISE hat alle drei Strömungen unter Kontrolle und bringt das Menschliche dorthin, wo es sein soll. Indem er Trieb, Körper und Geist die jeweilige Rolle zugesteht, nähert er sich „ohne Krampf, Zwang oder Verdrängung“ (Zippel 2016: 26) dem Übermenschen.

Dieser „Übermensch“ ist übrigens von Nietzsche übernommen, von jenem Denker, den Zippel sicher am öftesten und einschlägigsten zu Wort kommen lässt in seinem Buch, das voll ist von Zitaten großer Geister.
 

Unsere Hülle, die mehr ist als nur Hülle …

 
Die Ausführungen zu Trieb und Co genügen, um im Groben darzustellen, wo Zippel hinwill.

Was mich besonders faszinierte, war die wiederholte Betonung des Körperlichen.

Sie war es wohl auch, die mich anfangs so abstieß, als ich das erste Mal mit Zippel konfrontiert wurde.

Ein aufgeblasener Körperkult-Guru ist gleichzeitig Doktor der Philosophie und erklärt Menschen das Leben? – Da geht was nicht zusammen! Das reibt. Das irritiert. Das tut ja fast schon weh.

Doch ein paar Seiten des Buches – und ein kurzes Innehalten, um mich für dieses idiotische Vorurteil selbst zu ohrfeigen – genügten, um die so wichtige Verschlingung der beiden Aspekte des Menschlichen zu verstehen.

Im Endeffekt mache ich ja selbst nichts anderes – ich kultiviere sowohl meinen Körper als Leistungssportler als auch meinen Geist als Philosoph.

Schon lustig, wie blind wir Menschen manchmal sind und sogar andere verurteilen, die uns sehr ähnlich sind in ihrer Einstellung, ihrer Lebensweise und ihren Zielen.

Wie einseitig denken wir, zu meinen, ein Mensch, der etwas in der Birne hat, müsse seinen Körper verachten, ja gar Raubbau an ihm betreiben, dürfe ihn nicht stählern, nicht verzieren, müsse ihn gar geißeln und zerstören, da der Geist das höhere Prinzip wäre?

Ich hatte immer schon meine Probleme mit diesem kettenrauchenden, Scheiße-fressenden, alkoholsüchtigen Studenten oder gar Intellektuellen, dessen offen und stolz zur Schau gestellter selbstzerstörerischer Lebenswandel seine Intelligenz und Weisheit zusätzlich unterstreichen sollte.

Nicht weil so jemand wie ich – ein Leistungssportler – diesem meist nur ein abstempelnd-abwertendes Lächeln wert war, sondern weil ich einfach prinzipiell nichts mit dieser Verknüpfung Weisheit-Selbstzerstörung anfangen konnte und wollte.

In einer besonders interessanten Passage versucht Zippel eine Erklärung dieses Phänomens, die gleichzeitig zeigt, dass er sich stets auch in brisante Sphären wagt:
 

Alles Geistige spiegelt sich im Körper eines Menschen – vor allem darin, wie er seinen Körper trägt, bewegt und erfüllt. Ob er kraftvoll und geschmeidig oder verkümmert und schwach ist; wie kompromisslos und erhaben oder weichend und schleichend er ist; wie aufrichtig oder verstohlen, wie kritisch oder leichtgläubig und wie stabil oder labil – all das ist nicht nur des Geistes, sondern auch des Körpers.

Es ist verpönt, darüber zu sprechen, darüber zu forschen. Unsere Kultur hat ob der deutschen Vergangenheit die Decke des Schweigens und Meidens darüber gelegt, da sie nicht fähig ist, zu verarbeiten und wieder zu Schönheit und Stärke zu finden. Sie hat ihre Perspektive noch nicht gewechselt, noch nicht den Status eines dissipativen Systems gefunden, das die Lehre zieht, statt in der Leere zu versinken.

Natürlich ist es töricht, einen Menschen nach seinen körperlichen Grundlagen zu beurteilen, nach seiner Genetik oder Herkunft. Ebenso töricht ist es, einen Menschen überhaupt nicht nach seinem Körper zu beurteilen. Genau diesen Fehler begehen wir jedoch heute, da wir jegliche körperliche Bewertung als Frevel an der Menschheit sehen, da wir Angst haben, wie die Nazis zu sein oder noch schlimmer: dafür gehalten zu werden.
(Zippel 2016: 355)

 
Für mich ist es fraglich, ob tatsächlich vor allem die „Deutsche Schuld“ in Folge der Stilisierung des Ariers zum Übermenschen im Hitler-Deutschland so großen Einfluss darauf hatte, dass wir heute derart davor zurückschrecken, körperliche Kultivierung als durchwegs positiv zu empfinden (denn dass will Zippel hier sagen). Auch die Kirche spielte hier jahrhundertelang eine tragende Rolle (auch das erwähnt Zippel).

Wichtig ist, worauf er hinauswill und das unterschreibe ich mit bestem Gewissen.
 

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Abrechnung mit der Philosophie

 
Zippels „Leider geil, fett & faul“ ist definitiv ein philosophisches Buch. Und trotzdem ist es auch gleichzeitig eine Abrechnung mit der Philosophie, wie sie auf der Uni betrieben wird.
 

Wenn es das Ziel war, eine abstrakte Wortklauberei zu schaffen, eine Selbstbefriedigung der analytischen Intelligenz, das Lehren der Langeweile, zuweilen brillant, aber unnütz technisch, mit esoterischem Vokabular und durchsichtig wie Nebel, dann waren die Hochschul-Philosophen mehr als nur erfolgreich.
(Zippel 2016: 145)
 
Ungewöhnlich für jemanden, der in Philosophie promoviert hat. Und doch kann ich vieles davon nachvollziehen.

Ich bin froh, dass ich mich für ein Studium der Philosophie entschieden habe. Es stärkt mein analytisches Denken, bringt mir verschiedenste Themengebiete näher, erweitert meinen Horizont, spült immer wieder neue Fragen an meinen Geist heran und lehrt mich – aus Mangel an Antworten – Demut. Dennoch kann es manchmal auch ganz schön mühsam sein. Um mich zu überwinden, die fällige Hausarbeit über das „Wesen der Zeit“ anzupacken, ein höchst theoretisches Thema, das anfangs zwar fasziniert, am Ende dann aber zu abstraktester Erbsenzählerei verkommt, brauchte ich über anderthalb Jahre.

Zippel will natürlich nicht alles, wo Philosophie draufsteht, schlechtreden. Vielmehr plädiert er für eine andere Form der Philosophie:
 

Eine gute Schule der Philosophie würde den Wortwitz üben, den Widerspruch kräftigen und die Rhetorik wiederbeleben; die schöne Geste, den tiefen Blick, die Menschenkenntnis, den Mut und die Schlagfertigkeit. Sie würde sich mit dem Leben, seinen Chancen und Problemen befassen – pragmatisch und spielerisch. Sie würde die Beherrschung des Körpers ebenso lehren wie den Maßstab des Schönen und die Kultivierung der Triebe. Sie würde sich die Hände schmutzig machen, bluten, schwitzen und frieren, um das innere Feuer zu schüren; das Selbstbewusstsein stärken und nicht zersetzen.
(Zippel 2016: 151)
 
Und immer und immer wieder kommt Nietzsche zum Wort als bestes Beispiel einer solchen lebendigen Philosophie. (Zumindest was Lebendigkeit seiner Worte betrifft, denn körperlich war er von vielen chronischen Leiden gezeichnet.)

Zippels Philosophie-Vorstellung wird in seinem Buch zum Programm. Bereits in der Einleitung warnt er davor, seine Wortspenden zu sehr mit der Waffe des Verstandes zu beurteilen, fordert, sich mehr auf die Widersprüchlichkeit, die Wortakrobatik und das SPIEL einzulassen. Und genau diese Leichtigkeit, die sich nicht immer todernst nimmt, macht den großen Eindruck aus, mit dem dieses Buch wirkt.

Irgendwo schreibt er – leider finde ich die Stelle nicht mehr – dass er kein weiteres verkopftes Buch schreiben will, dass man abnickt, weglegt und wieder vergisst. Dass er vielmehr ein körperliches, fleischliches Buch schreiben will, das uns zur Tat zwingt.

Und genau das tut es!
 

Zwischen Streben und Spiel

 
Was mich so fasziniert an diesem Menschen ist diese Mischung aus Streben und Spiel, aus Strebsamkeit und Zerstörungswahn. So schreibt er über sich selbst:
 

Hin- und hergerissen zwischen dem radikalen Asketen und extremen Hedonisten. Zwischen dem Überheblichen, der sich oft monatelang von allem Leben und Genuss fernhält, liest, schreibt, meditiert, trainiert und dem Getriebenen, der alles fallen lässt, um sich nächtlich die Kante zu geben und rein tierisch zu leben […] Trieb und Geist strebten beide voran, der eine zerstörte den Körper, der andere pflegte seine Entwicklung. Ich habe gelernt, das Verhältnis so zu wahren, dass der Körper gesund, stark und schön bleibt. Ich habe gelernt, mein Leben so einzurichten, dass er Genuss und Ekstase locker wegsteckt, indem ich täglich trainiere, lese, meditiere und mich bewusst ernähre […] Immer besser ist es mir gelungen, meinen hedonistischen Trieb zu sublimieren, zu kultivieren, zu pflegen und weiter anzuheizen – was mir Kraft gibt und zu grenzenloser Selbstüberschätzung führt. Die Frage bleibt weiterhin die aus meiner frühen Jugend: Wo ist die Grenze?
(Zippel 2016: 312/313)
 
Ja, vielleicht wirst du dir nun an den Kopf greifen und meinen dieser Kerl wäre verrückt. Und ich wäre ebenso verrückt, weil ich ihn leider geil finde …

So viel streben, so viel Extremes, so viel Kraft, so viel Geist, so viel Spiel …

Das vertragen nur wenige Menschen.

Und doch sehe ich darin die vielleicht beste Lebensweise, die es gibt.
 

Ich will mit dir spielen …

 
Das SPIEL erwähnt Zippel sehr oft. Es geht ihm darum, große Herausforderungen als Spiel zu sehen und als Gewinner (an Erfahrung) aus ihnen herauszugehen, an ihnen zu wachsen. Die Perspektive zählt. Ein spielerischer Umgang mit dem Leben, macht das Leben leichter. Was man dazu braucht? Unter anderem die Akzeptanz des Todes. Nur wer akzeptiert, dass er sterben wird und jederzeit sterben kann, wird sich diese spielerische Leichtigkeit aneignen. Wer sich klarmacht, dass wir alle zu Aschen werden und dann jeder Misserfolg, jede Peinlichkeit, jeder Rückschlag völlig unwichtig im Staube ewig vergeht, der kann mit dem Spiel beginnen.

Ja, schon wieder so extrem. Aber ja, auch schon wieder so wahr!
 

Die Aufmerksamkeit zu steuern und destruktive Perspektiven in konstruktive zu wandeln, verleiht uns Macht über unser Leben – selbst wenn alles Äußere zusammenbricht. Eine Frage der Stabilität – körperlich und geistig. Das ist der Kern dieses Buches: Es macht Sie stabiler, bündelt Ihre Kräfte, beendet innere Konflikte.

Natürlich hebt dieses Buch auch das kreative Chaos hoch, es lobt den Widerspruch und zelebriert ihn selbst. Chaos und Widerspruch gibt es jedoch genug – in der Welt da draußen sowie zwischen ihr und unserer Perspektive. Wollen wir hier Fuß fassen, der Welt unseren Stempel aufdrücken, uns sicher fühlen, kraftvoll bewegen, Veraltetes zerlegen und Besseres schaffen, so müssen wir selbst stark und geordnet sein – sonst wird uns der Widerspruch nicht beflügeln sondern zerreißen.
(Zippel 2016: 404)

 

Stopp! Worum geht es nun GENAU?

 
Hat dich das Bisherige verwirrt? War es zu viel? Zu extrem? Zu ungeordnet? Zu verstrickt und irrational?

– Kann ich verstehen.

Du sollst das Buch sowieso selber lesen, denn die Wirkung ist kostbarer als sein Inhalt.

Außerdem wird Zippel gegen Ende des Buches dann auch noch konkreter und sagt dir, wo genau du ansetzen kannst, um dein endloses Potenzial anzuzapfen.

Da geht es dann um so Dinge wie Komfortzone verlassen (Zippel verlässt sie nicht nur, sondern „fickt“ sie natürlich gleich!), eiskalt duschen, stinkend fasten, dem Tode ins Antlitz sehen oder Abstinenz üben.

Ja, sogar mit Ernährungstipps kommt er dann auf einmal daher. Auch das wirkt anfangs wieder seltsam. Ernährungstipps in einem philosophischen Buch. Aber eben nur dann, wenn man die Körper-Geist-Verschränkung missachtet. Letzten Endes sind sie also nur logische Konsequenz von dem, was er da in seinem Buch macht.
 

Noch ein Kracher zum Schluss!

 
Puh … Viel habe ich ihn schon reden lassen, den Herrn Zippel.

Seine ehrliche, unverblümte und unterhaltsame Sprachakrobatik sowie seine endlos sprudelnde Phantasie wären auch ohne allem zuvor Erwähntem bereits Grund genug, „Leider geil, fett & faul“ zu lesen. Eine Stelle zeigt dies besonders gut:
 

[…] was machen unsere Gedanken? Sie schwirren wie Fliegen um die Scheiße, um alle nur erdenklichen Nichtigkeiten, das ganze Panorama der Banalitäten: Sitzt meine Frisur? Habe ich den Müll rausgebracht? Was denkt meine Nachbarin über mich? Wo bekomm ich `n Snickers her? Was kommt heute Abend im Fernsehen? Wenn man einen Schlumpf würgt, welche Farbe bekommt er dann? Wie kommen die `Rasen betreten verboten‘-Schilder in die Mitte des Rasens? Warum hat Noah die zwei Stechmücken nicht erschlagen? Ist ein Pferd vorne hinten als höher? Wenn man Pasta und Antipasta isst – ist man dann wieder hungrig? Wie weiß ein Blinder, dass er fertig ist mit Hinternputzen? Wenn es nachts kälter ist als draußen, warum bauen Menschen ihre Häuser dann nicht im Keller? Dürfen Vegetarier Schmetterlinge im Bauch haben? Warum nennt man einen Mann, der Frauen schmutzige Sachen sagt, einen Sexist, während eine Frau, die Männern schmutzige Sachen sagt, einen Euro pro Minute bekommt? Woran ist das Tote Meer gestorben? Warum heißt `Dusch Das` nicht `Dusch Dich`? Wo ist beim Baum hinten? Warum stinken Fische, obwohl sie ihr ganzes Leben lang baden? Warum gibt es in Flugzeugen Schwimmwesten statt Fallschirme? Ist der Begriff `Selbsthilfe-Gruppe` nicht ebenso widersinnig wie „Trauer-Feier“? Warum gibt es Whiskas-Huhn, -Fisch und -Rind, aber kein Whiskas-Maus? Wie würden Stühle aussehen, wenn wir die Kniescheiben hinten hätten? Warum sind Pizza-Schachteln eckig? Wie viel wiegt ein Hologramm? Und warum stellt der Zippel so dämliche Fragen – obwohl er auf Höheres aus ist?
(Zippel 2016: 176/177)
 

Zippel ein Gedankennomade?

 
Ist Zippel ein Gedankennomade? Oder bin ich ein Zippel?

Nein, ich bin wohl mehr ein Zipfel als ein Zippel. Und umgekehrt ist Zippel über den Gedankennomaden schon lange hinaus.

Nichts desto trotz seh ich ihn nun als Bruder im Geiste (und Körper!). Zumindest legten mir viele Stellen des Buches diese Ansicht nahe, so zum Beispiel diese:
 

Was hat Bedeutung für uns? Für mich ist es vor allem eines, etwas ganz Lebensnahes, Pragmatisches: Der Glaube an das eigene Potenzial! Das Vermögen, sich selbst zu einem gesunden, schönen, intelligenten, würdevollen und starken Menschen zu entwickeln, der Körper und Geist vereint, spielerisch weise wird, sich über die tierischen und gesellschaftlichen Schwächen der Welt erhebt und dabei derart vor Kraft und Kreativität überströmt, dass er auch seinen Mitmenschen und seiner Gesellschaft davon gibt.
(Zippel 2016: 221)
 
Auch scheinen wir beide die selbe „Hauptzielgruppe“ zu haben (wobei mir – und womöglich auch ihm – klar ist, dass wir gerade diese leider am seltensten erreichen):
 
 
… Oder Dir ist alles egal, dann bist Du meine Hauptzielgruppe: die Milliarden Menschen, die keine Bücher lesen und dieses schon gar nicht. Ich grüße Dich! Wenn du die Fernseh-Bedienung suchst, die liegt links neben Dir. Das hier ist nur ein Buch.
(Zippel 2016: 121)
 
 
 
Was hältst du von solch einem extremen Individuum wie Zippel? Ist es dir Vorbild oder Spinner? Wann hast du das letzte Mal gegen deinen Schweinehund gearbeitet oder noch besser: deine Komfort-Zone bewusst verlassen? Wie wichtig ist Weiterentwicklung für dich? Auf welchen Ebenen und in welchem Maße? Wirst du „Leider geil, fett & faul“ sofort bestellen? Oder machst du dir lieber eine Packung Chips auf vorm Fernseher und gleitest mit deinen fettigen Fingern am Smartphone durchs Internet um schließlich auf der Couch einzupennen um dich morgen früh im Alltagstrott wiederzufinden, so lange, bis du irgendwann ohne gelebt zu haben unter der Erde liegst?

(Hier kannst du dir den Zippel übrigens mal “in echt” ansehen. Anstatt überheblich und abgehoben wirkt er eigentlich ziemlich sympathisch und ausgeglichen. Vielleicht hatter er aber auch einfach nur einen guten Tag. Oder er ist ein guter Schauspieler!? Oder …)
 
 
 
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Vielen Dank,
bis bald,
Philipp
 
Wie wird man ein Übermensch?
Foto: Victor Rodriguez
 
Blogartikel veröffentlicht am 28.10.2018
 
Quelle: Zippel, Christian (2016): Leider geil, fett & faul. Warum uns der Körper auf den Geist geht und wie wir den Schweinehund zum Schoßhund machen. Norderstedt: BoD – Books on Demand.
 
 
 
Leider geil, fett & faul: Warum uns der Körper auf den Geist geht und wie wir den Schweinehund zum Schoßhund machen (*)
 

6 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. Danke Nomade für deine Buchpräsentation und Gedanken, die zum Überdenken eigener Sichtweisen und Haltungen anregen. Die Zipplschen Gerneralisierungen zwischendurch entbehrlich. Sonst sage ich als 50+ mit dem halben 😉 Leben im Gepäck: Ja klar, Körper & Geist sind eins, beeinflussen und ergänzen sich. Beide sagen dir was sie brauchen, du musst nur ihre Signale erkennen und TUN, dann flutscht das Leben leicht und „lüstig“! 🙂

    • von Gedankennomade

      Liebe Maria,
      Das Buch ist auf jeden Fall eines, das polarisiert. Mich persönlich hat es hauptsächlich motiviert. Die Generalisierung zielen ja in erster Linie auf “die Masse” ab. Und die trifft er oft schon ziemlich gut, finde ich. Aber ja, man könnte viel und lange über dieses Werk diskutieren. Freut mich jedenfalls, dass auch dich die Lektüre berreichert hast und genau das, was du am Ende schreibst, ist auch für mich der Hauptgedanke, den ich aus dem Buch mitnehmen: Kein Geist ohne Körper, kein Körper ohne Geist. Einen schönen Abend wünsche ich!

  2. lieber gedankennomade, weder philosophisch gebildet noch studiert allerdings ausgestattet mit einem wachen geist möchte ich dir ein paar zeilen schreiben. ich bewundere deine im blog beschriebene mutige p ositionierung gegenüber menschen die den eigenen schweinehund nicht so perfekt überwinden wie du.darüber kann man sehr unglücklich sein und dieses miese gefühl seinem Körper bzw. geist oder seele gegenüber kommt sehr patzig…oder meinst du dass die “masse” wie du sie nennst sich wirklich keine gedanken macht oder in zeiten in denen es von verschwörungstheorien wimmelt, gewollt ist nicht zu denken?? ich bedank mich jedenfalls für deinen, zur zeit leider nicht so regelmässigen, zum nachdenken anregenden, manchmal auch provokanten lesestoff.

    • von Gedankennomade

      Liebe Johanna,
      Hm, ich verstehe den Einwand und ich denke der Kern davon ist der gleiche im anderen Kommentar hier von “Mel”.
      Wie gesagt, ist mir bewusst, dass Zippel sehr provozierend und provokant schreibt. Und sicher ist das nicht für jedermann. Für jemanden wie mich, der voll “im Saft steht”, sag ich einmal, das Beste aus seinem Potenzial machen will – körperlich und geistig – und genau hierin die Herausforderung sieht, sagt er aber viel höchst Interessantes und Motivierendes.
      Und ja, ich denke schon, dass viele Menschen, die durchaus Potenzial HÄTTEN, nur in der Masse versinken und den Schweinehund NICHT bekämpfen, was ich sehr schade finde.
      Darüber hinaus gibt es aber sicherlich auch Millionen, die ihr Schicksal nicht (nur) selbst in der Hand haben auf Grund von Krankheiten, Depression, Behinderungen et cetera. Diese können wohl mit Zippel nicht wirklich was anfangen, könnte ich mir denken, und haben anderen Kämpfe zu fechten. Das heißt aber nicht, dass er jene nur als halbe Menschen sieht. Genau so wenig wie ich das tue. Ich weiß nicht, ob er auf diesen Einwand irgendwo eingeht im Buch, war dann doch sehr viel Stoff, den ich mir ziemlich schnell einverleibt habe …
      Vielen Dank für deinen Kommentar,
      bis bald,
      Philipp

  3. Schön geschrieben. Leider habe ich das Gefühl, dass Herrn Zippel der Überblick durch die Extreme verloren geht. Es schwingt immer eine Überheblichkeit bei ihm, welches durch seine geschickte Art eher positiv gesehen wird. Dann fragt man sich, ob dieser Mensch nicht das Recht hat sogar noch arroganter zu sein, als er sein sollte – mit dessen ganzen Wissen. In meiner persönlichen Genossenschaft mit ihm, ist das Gefühl aufgekommen, dass er Faktoren nicht wahrnimmt, die zu einer Unmöglichkeit oder wenigstens zu einer Beschränkung der Lebensmöglichkeiten führen. Ich weiß nicht, wie hilfreich es ist, wenn man nur “Kopf in die Wand” der “alles ist möglich” These folgt ohne die Philosophie des Unmöglichen zu hinterfragen. Nur sich selber natürlich. Und die anderen? Die, die von der Unmöglichkeit betroffen sind? Oder ist es eine Berufung, Menschen mit Geld eine “Seele”, ein bisschen Latein, zwei Mottos und ein Six-Pack anzutrainieren?

    • von Gedankennomade

      Liebe Mel,
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Du scheinst anscheinend eine Kennerin von Zippel zu sein!? “Es schwingt immer eine Überheblichkeit mit”, sagst du. Hast du schon so viel von ihm gelesen? Oder sprichst du von seinen Facebook-Posts? Und was bedeutet “in meiner persönlichen Genossenschaft mit ihm”? Ihr kennt euch also persönlich?
      Ich denke, dass er stets versucht, an die Philosophie des Unmöglichen anzuklopfen, in sie eindringt, sie bekämpft und so “verkleinert”.
      Ich kann deinem Gedanken aber schon folgen und bin ihm auch in der Antwort zum Kommentar von “Johanna” ein wenig nachgegangen.
      Und was meinst du mit “Menschen mit Geld eine ‘Seele’ …” antrainieren? Dass Zippel nur auf Menschen mit Geld und ohne Seele zielt? Und wieso “zwei Mottos”?
      Leider mehr Fragen als Antworten für dich … Tut mir leid …

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